Es war wieder enorm viel los beim „Historischen Stadtspektakel“ in Kronach. Vor allem auch viele Auswärtige kamen in die Lucas-Cranach-Stadt, aber auch die Einheimischen ließen es sich beim Schmäußbräu gut gehen. Viele wirkten wieder mit und sorgten dafür, dass das Stadtspektakel ein großartiges Ereignis wurde. Es gab viel zu erleben. Dazu gehörte auch eine historische Gerichtsverhandlung gegen Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. Der hatte schwerste Schuld auf sich geladen, war er doch bei der Probe des Schmäußbräu-Bieres in profaner Kleidung erschienen und nicht in historischem Gewand. So wurde er nun von der Kronacher Bürgerwehr ergriffen und dem Gericht vorgeführt.
Alle Hoffnungen des Stadtoberhauptes, doch noch dem Pranger zu entgehen, ruhten auf seinem Verteidiger, dem stadtbekannten Rechtsgelehrten Bernd Liebhardt. Stadtvogt Hans Götz hatte eigens als Richter eine Eiserne Hand als Zeichen angelegt. Bernd Liebhardt stellte fest, dass beim Test des Schmäußbrau-Bieres nicht einmal alle Viertelmeister dabei gewesen seien. Ihm sei geraten worden, die Verteidigung darauf aufzubauen, eine vorübergehende Schuldunfähigkeit des Stadtoberhauptes wegen Schuldenstresses vorzutragen. Er führte weiter aus: Sei dieser nicht schon durch die Angriffe der Schweden genug geplagt? Der Verteidiger beantragte, dem Bürgermeister den Pranger zu ersparen und ihn milder zu bestrafen – oder vielleicht könnte er auch köstliches Schmäußbrau spendieren?
Dann jedoch machte Liebhardt den Fehler, die als Schöffen agierenden Viertelmeister zu attackieren, was diese ihm übel vergalten. Bürgermeister Beiergrößlein kam mit dem Spendieren von Schmäußbrau davon – doch nun wurde sein Advokatus zum Pranger verurteilt! „Ein gerechtes Urteil“, freute sich Stadtvogt Hans Götz. „So wird in Kronach Recht gesprochen.“ Bernd Liebhardt sei ein hervorragender Verteidiger – der gehe für seinen Mandanten ins Gefängnis versus Pranger. Der Pranger wurde für Bernd Liebhardt ein hartes Ereignis – schließlich wurde er auch noch mit Wasser übergossen. „Jetzt darf er sich als Geprangerter bezeichnen“, kommentierte Hans Götz. Auch Xander der Narr lief zur Hochform auf. „Wir sind hier in Kronach, da wird schon mal im Keller gelacht“ kommentierte er die zunächst vornehme Zurückhaltung seines Publikums. Der Rest von Deutschland erstarre in Depression, aber in Kronach wird gefeiert meinte er, als sein Publikum aufgetaut war und begeistert mitging. Der Sonntag begann mit einer historischen Messe in der Stadtpfarrkirche. Anschließend wurden die Goldene Kette und das Spanische Habit an der Ehrensäule am Melchior-Otto-Platz überreicht und die Viertelmeisterstrecke eingeweiht. Den ganzen Tag über war wieder viel geboten. Für den Ausklang sorgte die Gruppe „Grex Confusus“ mit einem Konzert auf der Marktplatzbühne. Alle Aktiven und Helfer hatten wieder ein großartiges Fest auf die Beine gestellt. Bilder und Text: Rainer Glissnik, Neue Presse