Dr. Neumann beim Diavortrag

„Wo sind die Amis und wo die Japaner“

Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Vereins „1000 Jahre Kronach“ stand ein Referat zum Thema: „Baltische Festungs-Route- Modell für eine Zentraleuropäische Festungs-Route unter Beteiligung der Festung Rosenberg“. Dr. Hans-Rudolf Neumann von der Technischen Universität, Berlin gab einen Sachstandsbericht über das seit Jahren laufende Projekt „Baltic Kultur- und Tourismus-Route“, welches nun seine Erweiterung in einer „Zentraleuropäischen Festungsroute“ finden soll.

Dr. Neumann beim Diavortrag

In dieses Projektkonzept würde nach Aussagen von Dr. Neumann die Festung Rosenberg hervorragend passen. Allerdings mahnt der Diplom-Ingenieur und Centre Manager davor, die Aufnahme in dieses von der Europäischen Union bis zu 75 Prozent mit Zuschussmitteln geförderte Projekt, allein von Kronach aus schultern zu wollen. Er riet vielmehr dazu, das kulturhistorischen Erbe von Festungen in Franken zu bündeln und eine Kooperation in Franken einzugehen. Für ihn sei es ein großes Anliegen und es erfülle sich ein großer Wunsch, wenn es gelänge den großen Wert von Frankens Festungen nach außen zu tragen und als gemeinsames „Europäisches Element Franken“ darzustellen. Nur so könne seiner Meinung nach ein Vorstoß in die Europäische Entwicklung erfolgreich gelingen und bestehen. Dies sei seine Botschaft und zugleich eine große Bitte. „Ich stehe hier, weil ich brach liegendes Potenzial hier sehe“, sagte Neumann und fragte etwas provokant, „wo sind die Amis und wo die Japaner?“ „Es ist ein großes Potenzial in Franken da!“

Nach dem über einstündigen Referat wurde eifrig diskutiert und auch Fragen beantwortet. Cornelia Thron fand es ein ganz starkes Marketing-Konzept und eine Partnerschaft mit anderen wäre ihrer Meinung nach „brillant und wertvoll“. Wir würden in einer bisher unbekannte Dimension beworben, wenn wir in dieses Projekt kommen, das vom Baltikum bis zur Adria reicht, schwärmte Cornelia Thron. MdL Heinz Hausmann bremste die möglicherweise wachsende Euphorie in dem er zu bedenken gab, dass man vor 25 Jahren die Fränkische Galerie errichtet habe, die heute viel Geld koste und Geld ist unser Problem, so Hausmann, denn jede Einrichtung müsse erhalten werden.

Vereinsvorsitzender Manfred Raum antwortete dazu, dass man von einer Kapitalisierung historischen Erbes spreche, was bedeute, dass mehr Touristen zur Finanzierung der Folgekosten beitragen, natürlich gebe es immer Folgekosten. Er selbst sehe aber in der Konzeption des Projektes Zentraleuropäische Festungsroute deren Ziel es sei, europäische Länder kulturell und mit Kulturerben miteinander zu verknüpfen und zu vernetzen. Raum wies auch daraufhin, dass die Stadt Kronach mit der Erhaltung eines Denkmals internationalen Ranges auf Dauer überfordert sei.

Stadtrat Bernd Liebhardt fragte dann nach den zeitlichen Dimensionen wie man sich den weiteren Ablauf dieses Projekts vorstellen müsse, wenn der Stadtrat zustimme. Dies hänge in erster Linie von den Terminen der EU ab, so Neumann. Wichtig sei aber schon jetzt die Antragsvorbereitung voranzutreiben um dann etwa im Oktober 2008 einen Antrag bei der entsprechenden EU-Kommission einzureichen. Die Entscheidung der EU könne dann nochmals ein halbes Jahr dauern, prognostizierte Dr. Neumann und sah eine Entscheidung bis Mitte nächsten Jahres als realistischen Zeitraum. Die Aussichten stehen jedenfalls nicht schlecht, fügte er hinzu. Weitere Vorschläge, wie man sich in das Projekt und Konzept noch attraktiver einbringen könnte, liegen bereits vor und Manfred Raum nannte diese mit der Errichtung einer Festungsbauhütte und eines Steinmetz- Museums mit Sandsteinskulpturen. Solche Vorschläge können auch Dr. Neumann faszinieren, der nochmals betonte, dass er nicht gekommen sei um Geld zu bringen, jedoch gerne Wege aufzeige und finde, wie man an Geld kommen könne. Für ihn stehe jedenfalls fest, „die Natur holt sich ihre Bauwerke zurück, wenn man nichts tut!“

Text: Karl-Heinz Hofmann/Fränkischer Tag