Nun hat die Obere Stadt wieder vier Viertelmeister und dazu noch einen Kastner. Und was für einen. Der hat die prall gefüllte Kasse seines Vorgängers mit den Worten „Was zum Fenster hinausfliegt, kommt zur Tür wieder rein“ mit vollen Händen unterm Volk verteilt. Dem Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein verschlug es die Sprache. Das Volk dagegen jubelte. Ob der OB nun sein Sparprogramm im modernen Kronach aufgibt? Warten wir es ab.
Der Viertelmeister-Tag war eine großartige Unterhaltung für alle
Beteiligten. Schon zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Nordhalbener
Fanfarenzug am Melchior-Otto-Platz alle gewandeten und nicht gewandeten
Bürger. Viele von ihnen hatten am Cranach-Rundgang teilgenommen und
begleiteten nun auch die historische Gesellschaft zur
Viertelmeisterstrecke in der Amtsgerichtsstraße. Dort hatten sich
bereits Pfarrer Thomas Teuchgräber, Oberbürgermeister Wolfgang
Beiergrößlein, Junker Bernd Radlo aus Nordhalben und Stadtvogt Hans Götz
an der Startmarke postiert und warteten auf das Zeichen von Braumeister
Thomas Kaiser, um, wie er vorgegeben, die Strecke in 50 Schritten zu
durchschreiten. Dies gelang aber keinem. Meterweit vom Ziel mussten sie
einhalten. Die 50 Schritte waren verbraucht. Am nächsten stand nach dem
letzten Schritt Pfarrer Teuchgräber vor der Zielmarke.
Flott ging es, unter Begleitung der Bürgerwehr, dann auf den Vorplatz
der Alten Markthalle. Drei Musketenschüsse ließen das Schmäuß im Fass
zur letzten Reife „erschrecken“, um dann von der starken Frau Hedi
Ditsche mit einem Schlag aus dem Holzfass befreit zu werden. Die
durstigen Kehlen der Gäste ließen den goldgelben Fluss des ersten Fasses
sehr schnell versiegen. Die Tanzgruppe der Kroniche Tanzleut lenkten
eine zeitlang vom schmäußigen Genuss ab. Dann war es der Duft der
ellenlangen Rostbratwürste, der die Sinne wieder zum Genießen
verführte. Jetzt konnte der Viertelmeister-Tag beginnen. Und dies geschah mit dem
traditionellen „Heijtn, deijtn, soung die Schweijdn….“. Ein „Wohlan“
erscholl aus zahlreichen Mündern. Der Oberbürgermeister begrüßte die
Gäste. Dann war es am Stadtvogt seinen Rückblick zu verlesen. Crana
Historica und der Ratsherrenzug waren seine Themen. Hans Spindler
erhielt für seine Initiative, die erst den Ratsherrenzug ermöglichte,
aus der Hand des Oberbürgermeisters den ersten Ratsherrenstein mit
Siegel. Auch die anderen Teilnehmer des Zuges nach Nordhalben wurden
dermaßen geehrt. Dann kam der Auftritt von Richard Chaluba, gebürtig aus Wischau in der
Nähe von Olmütz/Tschechien. In Kronach gestrandet, aus beruflichen
Gründen und aus Liebe zu der Oberen Stadt. Er wurde vom Fürstbischof zum
Kastner vorgeschlagen und erwies sich gleich zu Beginn dieses Amtes
würdig, zumindest aus der Sicht der Bürger (siehe oben).Anschließend gaben die Viertelmeister Bericht und sparten auch nicht mit
Kritik an manchen Missständen in der Oberen Stadt. Da war es gut, dass
sie Verstärkung bekamen in der Person von Jürgen Ditsche. Ein Urgewächs
der Oberen Stadt, von dem keiner weiß, wie lange er dort schon wohnt.
Ein ausgewiesener Kenner der Befindlichkeiten in der Stadt des Bischofs.
Wer sollte da besser für das Amt des Viertelmeisters geeignet sein?
Jürgen Ditsche legte mit seinen Kollegen den „Aydt“ ab und ist nun
Viertelmeister im 1. Viertel.
Dies wurde dann ausgiebig mit Unterstützung des Schmäuß gefeiert.
Offenbar so intensiv, dass mancher feierfreudige Geselle nicht zuhause
sondern im Stadtturm landete.
Hans Götz, 11.04.2011
Bilder: Rainer Glissnik, Neue Presse