Gruppenfoto zum Viertelmeistertag 2010

Viertelmeistertag 2010 – Auftakt der historischen Saison in Kronach

Was für ein feuchtfröhlicher Auftakt der historischen Saison in Kronach. Die Bürgerwehr ließ es krachen, es gab viel zu lachen und das Bier schmäußte so sehr, dass sich beim Anstich des Fasses der Zapfhahn und der Gerstensaft zunächst nicht nur in die vorgesehenen Krüge floss. Vor einer Überschwemmung rettete jedoch Bräumeister Thomas Kaiser, der reaktionsschnell das Fass mit der Öffnung nach oben kippte und dabei bewies, dass der Umgang mit Fässern ganz schön Mukis in den Armen bringt.

Gruppenfoto zum Viertelmeistertag 2010

Wie sich zeigte hatte Thomas Kaiser im Übrigen auch im Vorjahr mächtig vorgelegt: mit 50 seiner Schritte hatte er letztes Jahr die Vorgabe für die beim Viertelmeisterlauf zu bewältigende Strecke gegeben. Jetzt durften die Vertreter von fünf historischen Gruppen von der Startlinie aus versuchen, der Kaiserschen Zielmarke mit ebenso 50 Schritten so nahe wie möglich zu kommen. Nach 25 Schritten banden die Seiler die Beine so zusammen, dass die gewählte Schrittlänge auch für den Rest der Strecke beibehalten werden musste. Und siehe: keiner erreichte die Kaisersche Zielmarke. Fast schon klar, dass die Stadtsoldaten siegten, schließlich gab es ein Fass Schmäußbräu zu gewinnen.

Gemeinsam zogen dann alle „Historischen“, begleitet vom Spielmannszug Nordhalben, zur Markthalle im Historischen Rathaus. Hier wurde zunächst einmal die von Metzgermeister Eberhard Kraus nach dem Kronacher Ellenmaß gefertigte Kronacher Bratwurst genossen, dazu gab es das Schmäußbräu.

„Heijdn, deijdn, sogn die Schweijden, wenn mer ner des Kronich heijden, unner Kronich kriejng sa nije, wir senn stark durch Kaiser-Bier!“ hieß es im Kampfruf, der – angestimmt von Stadtvogt Hans Götz – mächtig in der Markthalle ertönte.

Nur kurze Zeit, aber entscheidende Jahre habe er in Kronach gelebt. „Im hohen Alter komme ich zurück in meine Geburtsstadt“, erläuterte der Kronacher Lucas Cranach (Wolfgang Eckert-Hetzel). Nach wie vor sei die Stadt schön, reizvoll und romantisch. Hier erlebte er mit anderen so manchen Bubenstreich, fand seine erste Stelldichein zu jugendlicher Liebe und durfte handfest die Schönheit Kronacher Weiblichkeit erleben. Die Stadt habe er angenehm in Erinnerung behalten dass er sie zu seinem Namen machte. „Mein Geburtshaus gibt es nicht mehr. Stattdessen steht da das Rathaus, ein monströses Gebäude.“ Auch heute sehe er so manche hübsche Maid in Kronach die es Wert wäre, von ihm konterfeit zu werden – für ein frommes Altarbild oder als Sünderin? Aktenkundig wurde er hier, weil er vor dem Rat angeklagt wurde, da er eine Nachbarin beleidigte. Er habe schließlich Kronach verlassen, nicht zu seinem Schaden. Die Donau hinab zog er in das kunstselige Wien, wo er erste Anerkennung für seine Werke erfuhr. Auf dem Rückweg lernte er Dürer kennen, der sein Freund wurde. Mit 29 Jahren bestallte ihn der Kursfürst von Sachsen zum Hofmaler und holte ihn nach Wittenberg. Hier wurde er ein wohlhabender, geschätzter Bürger.

Wittenberg wurde meine Heimat, erklärte der Wittenberger Lucas Cranach (Uwe Geese). In Wittenberg wartete viel Arbeit. Er bekam Aufträge über Aufträge, stellte Gesellen ein. 1508 erhielt er ein eigenes Siegel. Bei einem seiner Aufträge in Gotha lernte er seine Frau kennen. Die beiden Söhne wurden auch Maler. Daneben betrieb er einen Weinausschank, errichtete eine Apotheke und eine Druckerei. Eine besondere Freundschaft entwickelte sich zum Reformator Martin Luther. Luther war auch Pate des ältesten Cranach-Sohnes. Luthers Frau war die beste Freundin von Cranachs Frau.

Kronachs Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein dankte allen, die sich für die Bewahrung des historischen Erbes der Stadt engagieren. Laute Buhrufe erntete das Stadtoberhaupt, als er laut über eine Bier- und Bratwurststeuer nachdachte, um das Stadtsäckel aufzufüllen. „An den Pranger!“-Rufe rief das erboste Volk.

Bein nächsten Stadtspektakel werde kein Geringerer als Bräumeister Thomas Kaiser vor Gericht gestellt, weil er beim letzten historischen Stadtspektakel zu wenig Augenmerk auf den Zustand seiner Fässer gelegt hatte, kündigte Stadtvogt Hans Götz an. Die Viertelmeister seien aufgrund dieser Aktion zum Gespött des Bistums geworden.

Lautstark verteidigte sich Bräumeister Thomas Kaiser. Alles war optimal gerichtet, aber in der oberen Stadt passten die Viertelmeister wohl nicht auf, klagte er. Die Fässer wurden des Nachts gestürzt, die Gassen hinunter gerollt – und ihn solle eine Strafe ereilen? Wenn er bestraft werden solle lasse er die Schmäußbräu-Probe ausfallen. „Der Bräu soll vorsichtig sein mit solchen Drohungen!“, warnte Stadtvogt Hans Götz. Nur einen Spotzer entfernt habe einer aus Wallenfels das getan, was schon lange gefordert wurde: in der oberen Stadt ein Bräuhaus errichtet. Aber aus dem Volk bekam der Bräumeister mächtig Rückendeckung: „Dem haben wir es zu verdanken, dass wir ein so gutes Bier haben“, betonte Walter Schinzel-Lang. Er lobte an die Entwicklung von Biersorten, die mit den Kronacher historischen Festen zu tun haben. Außerdem gebe es in Franken schon in Nürnberg seit 1393 ein Reinheitsgebot.

Bieranstich

Natürlich habe sein Viertel auch den schönsten Viertelmeister, berichtete Stefan Wicklein vom kleinsten, aber schönsten Viertel. Die Bratwurst-Elle am Rathaus im zweiten Viertel war besudelt, sie war gerostet. „Aber dann fiel mir ein, es ist ja eine Rostbratwurst.“ Auch Markus Steller und Jens Schick berichteten von positiven Ereignissen in ihren Vierteln. „Cantabene“ sorgte für den musikalischen Ausklang. rg

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Gedenken

Bei aller Freude und Spaß stand ein Gedenken im Mittelpunkt des Viertelmeistertags. Schmerzlich vermisst wurde Viertelmeister Horst Rubel, der verstarb. Sein leer gebliebener Platz war mit seinem Bild geschmückt. Viertelmeister Horst Rubel habe sich sehr für unsere Heimatstadt verdient machte, betonte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. „Mein Rückblick verbindet sich mit Freude, aber auch mit großer Trauer“, betonte Stadtvogt Hans Götz. Amt und Platz von Horst Rubel sollen bis zum nächsten Viertelmeistertag frei bleiben.

Gedenken an den Vietelmeister Horst Rubel

Text & Fotos: Rainer Glissnik und Neue Presse