Melchior-Otto-Gedenktag: Der obligatorische Marsch zur Kirche

Melchior-Otto-Gedenktag 2009

Melchior-Otto-Gedenktag: Der obligatorische Marsch zur Kirche
Wenn am kommenden Sonntag die Ratsfrauen und Ratsherren um 8:45 Uhr nach dem dritten Glockenschlag sich vom historischen Rathaus aus in Bewegung setzen, dann wird in der Stadt Kronach der Melchior-Otto-Tag gefeiert.

Und es wird darin erinnert, dass den Kronachern wegen ihrer Tapferkeit im Dreissigjährigen Krieg eine Ehre zu Teil wurde, derer sich nur wenige Städte rühmen können. Die Stadt Kronach erhielt im Jahr 1651 vom Fürstbischoff Melchior Otto, Voit zu Salzburg, ein neues Stadtwappen verliehen und die Ratsherren das Recht einen spanischen Habit zu tragen. Außer Kronach durften dies im Reichsgebiet nur noch die Ratsherren zu Köln, Regensburg und Nürnberg. Dem (Ober-)Bürgermeister überreichte der Fürstbischof in einem feierlichen Akte in Bamberg eine „güldene Kette“, die er zu festgelegten Feiertagen tragen sollte.Die Stadt Kronach bedankte sich beim Fürstbischof mit der Errichtung einer Ehrensäule und benannte diese und den Platz nach dem großzügigen Spender. Die Ratsherren verpflichteten sich auch dem Fürstbischof zu Ehren ein Lobamt in der Stadtpfarrkirche St. Johannes alljährlich abzuhalten. Und so wird nun schon seit 357 Jahren mit wenigen Unterbrechungen dem Fürstbischoff gedacht der „seiner Stadt“ soviel Ehre hat zukommen lassen.

Ablauf des Melchior-Otto-Gedenktags 2009
Seit 2006 beteiligen sich auch die historischen Gruppen und begleiten die Ratsfrauen und Ratsherren vom historischen Rathaus in die Kirche. Welche Bedeutung dieser Tag in früheren Zeiten hatte, kann der „Chronik von 1661″ des Nikolaus Zitter entnommen werden. Dort ist ausführlich die Aufstellung des Festzuges zur Kirche beschrieben: „ Erstlich werden drey Zeichen mit der grossen Glocken gegeben, unterdessen versamblen sich Burgermaister, Rathsverwandte, und Viertelmaister sambt ihren Frauen uffm Rathhaus…“ Den Anfang macht der „Stadt Officirer sambt Trommel und Pfeiffen“ dem folgen die Bürger (Ausschüsser) „ in Gewehr unter den lincken Arrmb haltent…“. Dem Stadtfähnrich mit der Bischofsfahne folgt ein Marschall mit einem schwarzen Stab, „deme folgen seiner Hochfürstlich Gnaden Hauptmann, Bürgermeister und Rath, in ihren neuen Habiten und der regierende (Ober-)Bürgermeister mit der güldenen Ketten.“ Die historischen Gruppen versuchen mit ihrer Beteiligung an diesem Festtage, diesem, die ihm zustehende Bedeutung wieder zu geben und den Bürgern ein nicht unbedeutendes historisches Ereignis in Erinnerung zu rufen. Ein zahlreicher Besuch des Lobamtes seitens der Kronacher Bürgerschaft würde diesem „ewigen Jahrtag“ gerecht. Hans Götz, Stadtvogt