Wenn am kommenden Sonntag die Ratsfrauen und Ratsherren um 8:45 Uhr nach dem dritten Glockenschlag sich vom historischen Rathaus aus in Bewegung setzen, dann wird in der Stadt Kronach der Melchior-Otto-Tag gefeiert.
Und es wird darin
erinnert, dass den Kronachern wegen ihrer Tapferkeit im
Dreissigjährigen Krieg eine Ehre zu Teil wurde, derer sich nur wenige
Städte rühmen können. Die Stadt Kronach erhielt im Jahr 1651 vom
Fürstbischoff Melchior Otto, Voit zu Salzburg, ein neues Stadtwappen
verliehen und die Ratsherren das Recht einen spanischen Habit zu
tragen. Außer Kronach durften dies im Reichsgebiet nur noch die
Ratsherren zu Köln, Regensburg und Nürnberg. Dem (Ober-)Bürgermeister
überreichte der Fürstbischof in einem feierlichen Akte in Bamberg eine
„güldene Kette“, die er zu festgelegten Feiertagen tragen sollte.Die Stadt Kronach bedankte sich beim Fürstbischof mit der Errichtung
einer Ehrensäule und benannte diese und den Platz nach dem großzügigen
Spender. Die Ratsherren verpflichteten sich auch dem Fürstbischof zu
Ehren ein Lobamt in der Stadtpfarrkirche St. Johannes alljährlich
abzuhalten. Und so wird nun schon seit 357 Jahren mit wenigen
Unterbrechungen dem Fürstbischoff gedacht der „seiner Stadt“ soviel
Ehre hat zukommen lassen.
Seit 2006 beteiligen sich auch die historischen Gruppen und begleiten
die Ratsfrauen und Ratsherren vom historischen Rathaus in die Kirche.
Welche Bedeutung dieser Tag in früheren Zeiten hatte, kann der „Chronik
von 1661″ des Nikolaus Zitter entnommen werden. Dort ist ausführlich
die Aufstellung des Festzuges zur Kirche beschrieben: „ Erstlich
werden drey Zeichen mit der grossen Glocken gegeben, unterdessen
versamblen sich Burgermaister, Rathsverwandte, und Viertelmaister sambt
ihren Frauen uffm Rathhaus…“ Den Anfang macht der „Stadt Officirer
sambt Trommel und Pfeiffen“ dem folgen die Bürger (Ausschüsser) „ in
Gewehr unter den lincken Arrmb haltent…“. Dem Stadtfähnrich mit der
Bischofsfahne folgt ein Marschall mit einem schwarzen Stab, „deme
folgen seiner Hochfürstlich Gnaden Hauptmann, Bürgermeister und Rath,
in ihren neuen Habiten und der regierende (Ober-)Bürgermeister mit der
güldenen Ketten.“
Die historischen Gruppen versuchen mit ihrer Beteiligung an diesem
Festtage, diesem, die ihm zustehende Bedeutung wieder zu geben und den
Bürgern ein nicht unbedeutendes historisches Ereignis in Erinnerung zu
rufen. Ein zahlreicher Besuch des Lobamtes seitens der Kronacher
Bürgerschaft würde diesem „ewigen Jahrtag“ gerecht.
Hans Götz, Stadtvogt