
Die „Bürgerstiftung Historisches Kronach“ hatte sich zum ersten Kronacher Stiftertag viel Zeit genommen und viel Mühe bei den Vorbereitungen gemacht. Schon der Film zur Einstimmung zum Stiftertag, den das Zweite Deutsche Fernsehen anlässlich einer Cranach-Ausstellung in Frankfurt am Main produzierte, machte deutlich, welch berühmter Sohn mit Lucas Cranach aus der kleinen Kreisstadt entstammt. Und bereits hier zeigten sich deutliche Defizite in der Vermarktung und Publikation solch großer Werbepfründe, die in der Stadt Kronach schlummern. In dieser Ausstellung waren über 70 Meisterwerke von Lucas Cranach zu sehen. Die Ausstellung, die nach Frankfurt auch in London zu sehen war, wollte die Geheimnisse des Erfolges von Lucas Cranach erforschen. Cranach gilt als einer der erfolgreichsten und populärsten Maler seiner Zeit, so die Expertenmeinungen verschiedener internationaler Museumsdirektoren, die in dem Filmbeitrag zu Wort kamen. Allerdings sah man auch durch die international zusammengetragenen Cranach-Sammlungen, dass die Werke der genuinen Schaffenskraft des Meistermalers kein Massenprodukt sind, sondern es handelt sich eben um anspruchsvolle hoch geschätzte Kunstwerke, die international hohes Ansehen genießen. Es wird eine große Aufgabe für die Kronacher, sich dabei mehr als Geburtsstadt Lucas-Cranachs in den Vordergrund zu stellen.
In der Markthalle hatten die Organisatoren des ersten Stiftertags verschiedene Schaustücke aus der bisherigen kreativen Stiftungstätigkeit gezeigt. Außer den bekannten „Bürgerstiften“, von Künstlerhand gefertigt und teils signiert, wurden die neuesten Errungenschaften vorgestellt. Zum Beispiel ein Bild des Bamberger Tores aus dem Jahre 1908 das von Julius Kühnlenz stammt und eine Porträtzeichnung des Landgerichtsassessors Andreas Lamprecht, der im Jahre1806 Napoleon auf der Festung Rosenberg begleitete. Aber auch eine Gemäldegalerie mit Porträtzeichnungen des Künstlers Christoph Wetzel und Impressionen von Vera Schnitzer aus Coburg umrahmte den Stiftertag. Die Werke konnten allesamt zugunsten der Bürgerstiftung käuflich erworben werden. Ebenso lagen Grafiken von Tom Kus aus, deren Erlös der Bürgerstiftung zugute kam. Mit einem von ihr selbst kreierten Bilderrätsel sorgte Dr. Kerstin Sperschneider für reizvolle Stadtansichten und zugleich Spannung beim Stiftertag. Dr. Kerstin Sperschneider stellte ein Bilderrätsel mit besonders reizvollen Ansichten Kronachs vor. Zehn Fotos präsentierte sie aus ganz anderer Perspektive, und es war gar nicht so einfach für die Kronacher, hier ihre eigenen Stadtansichten wieder zu erkennen. Eine Aufnahme, die in der Judengasse entstanden war, erweckte besondere Aufmerksamkeit. Denn diese Darstellung zweier Portalfiguren gehöre hier gar nicht hin. Das Bildnis „Der Engel des Herrn“ stand ursprünglich einmal am Rathaus am Marktplatz, erklärte Ehrenbürger Heinrich Schreiber. Vielleicht würden die Figuren ja in den Bereich des Bürgerspitals passen, wo man häufiger den Engel des Herrn betet. Hierzu werde sich die Stadt etwas einfallen lassen, ergänzte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. Der interessante, spannende und trotzdem sehr spaßige Wettbewerb inspirierte Dr. Manfred Blinzler zu der Idee, mehrere solche Wettbewerbe für Fotografen auszuschreiben. Nach dem Motto „Entdeckungsreise durch Kronach“ könnten die schönsten Motive der Stadt aus verschiedenen Perspektiven festgehalten werden und man werde erkennen, welch großes Potenzial an wirklichen Sehenswürdigkeiten in der kleinen Stadt stecke. Die Auswertung des Preisrätsels ergab übrigens das vielleicht verblüffende Ergebnis, dass ausgerechnet eine zugewanderte Kronacherin, Gisela Gülpen, mit acht richtigen Antworten das Preisrätsel gewann. Ein weiterer Höhepunkt dieses amüsanten Nachmittags war eine Vorlesung von Schriftsteller Ingo Cesaro aus seinem Büchlein „Fei ka Gewaaf“, dessen Passagen der Akademische Bildhauer Heinrich Schreiber jeweils in Kronacher Mundart übersetzte. Es waren lustige Anekdoten, die beim Publikum für große Erheiterung sorgten. Danach gab es einen regelrechten Ansturm auf das Büchlein „Fei ka Gewaaf“, denn es ist ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Text und Fotos: K.-H. Hofmann
