
Deshalb hier und jetzt ein kleiner Vergleich. Ein Teil von Ihnen hat Kronach als neuen Wohn- und Arbeitsort gewählt. Sie haben sich damit für eine Stadt entschieden, die auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann. In München beispielsweise könnten sie nur einer 850-jährigen Geschichte begegnen. Als 1003 Kronach erstmals ins Licht der Geschichte trat, war München überhaupt noch nicht existent. Als 1122 das Kronacher Land zum Hochstift Bamberg kam, ließen sich vermutlich die ersten Siedler an der Isarfurt nieder. Und als bei uns der große Renaissancekünstler Lucas Cranach das Licht der Welt erblickte und vermutlich in Friesen die Kirche mit Fresken bemalte, versuchte man derweil in München den Häusern mit einer Kalkfarbe ein ansehnliches Aussehen zu verleihen. Sie sehen, Sie „siedeln“ sich in einer – zugegebenermaßen ehemals – bedeutenden Stadt im Hochstift Bamberg an – das es leider auch nicht mehr gibt. 1803 wurde das Hochstift Bamberg Bayern einverleibt und damit uns Kronachern einige Dinge genommen, die wir sehr lieb gewonnen hatten, z. B. das Kunigunden-Maß. Dabei handelt es sich um ein Hohlmaß für Flüssigkeiten, also auch für Bier, welches den Vorteil hatte, dass es eben voluminöser war als das nach 1803 verwendete Liter-Maß. Gott sei Dank konnten wir nach intensiven Recherchen dieses alte Maß wieder finden und im Rahmen unserer historischen Feste verwenden. Auf andere Gewohnheiten und Schätze will ich hier nicht eingehen. Aber soviel sei angemerkt, dass diese durch die Inbesitznahme der damaligen Herren aus dem Hause Wittelsbach nicht unmaßgebend zur finanziellen und kulturellen Blühte in München beitrugen – und uns heute natürlich fehlen! Was ich Ihnen jetzt noch antragen möchte, ist ein Brauch, der im historischen Kronach Pflicht für jeden Neubürger war: das Ablegen eines Bürger-Eides. Dies will auch ich ihnen abverlangen: … Wenn Sie dem Bürgermeister der Stadt Kronach nun noch zur Bestätigung die Hand reichen, dann verpflichten Sie sich auch, für die Stadt Frondienste zu leisten, soweit es der Bürgermeister für erforderlich hält. Abschließend teile ich Ihnen noch mit, dass in dieser Stadt außer den bereits erwähnten Lucas Cranach, auch J. W. Goethe , Napoleon und Charles de Gaulle weilten. – Und nun darf ich auch Sie jetzt hier begrüßen. Herzlich Willkommen in Kronach !
Burger Aydt
Alles, das mir ytzt vorgesagt ich genusamblichen und vernemlichen gehort und verstanden , auch darauf herren haubtman, Vel Stattvoigt an statt des hochwirdigen Fursten, meines gnedigen herrn von Bambergs, und beiden Bürgermeistern von wegen gemeiner Statt mit handtgebendten treuen gelobt und zugesagt. Denselbigen will Ich bey Tag und nacht meinen besten vermogen nach treulich, stet, vest und unverbrochlich nachkommen und darwider in ainichen weeg nicht sein, thun noch handtlen.
Also helff mir Gott
