Gruppenfoto zum Viertelmeistertag 2008

Viertelmeistertreffen 2008

Gruppenfoto zum Viertelmeistertag 2008

Das historische Kronach lebt von den Bürgerinnen und Bürgern, die Leben in die Geschichte der altehrwürdigen Crana bringen. Der Viertelmeistertag ist alljährlich der Beginn der historischen Saison durch den „Arbeitskreis historisches Kronach“. Dabei wurde Bürgermeister Manfred Raum als Gründervater der historischen Aktivitäten besonders gewürdigt. Dazu erhielt das Stadtoberhaupt eine Original Kunigunden-Maß mit Deckel.

„Er liebt die Stadt und vor allem auch die alte Crana. Es ist ein großer Verdienst, dass Manfred Raum sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bemühte, die Altstadt zu fördern“, lobte Viertelmeister Horst Rubel. Der hoffte, dass Amtsnachfolger Wolfgang Beiergrößlein auch die Neigung habe, aktiv dieses Erbe zu erhalten. Beiergrößlein signalisierte bereits seine Mitwirkung. Zunächst traf sich alles zu einem großen Spektakel im Umfeld des Scharfen Ecks. Bräumeister Thomas Kaiser hatte gleich ein Fass Schmäußbräu mitgebracht, damit die Enthüllung der „Kunigunden-Maß-Skulptur“ nicht trocken gefeiert werden musste. Für die altgedienten Herren gab es hier gleich den ersten Schrecken: durfte doch Steffi Schick als „Kunigunde“ das Fass anzapfen, bevor sie die Skulptur über einem Hauseingang anbrachte.

Stadtvogt Hans Götz hatte eigens eine Holzleiter in die Obere Stadt hochgeschleppt und auch Viertelmeister Stefan Wicklein opferte sich regelrecht für die „Kunigunde“ auf. Die Leiter hätte schief gestanden, da stellte er seinen Schuh unter die Leiter, damit Steffi Schick sicher hinaufklettern konnte.

Danach zogen alle zur Markthalle im Historischen Rathaus. „Den hier anwesenden edlen Frauen und Männern aus den altehrwürdigen Ständen und Zünften entbietet mein Herr, euer Fürstbischof zu Bamberg, seiner Stadt, die innigsten Segenswünsche zu einer Veranstaltung, die ihresgleichen in seinem Hochstifte nicht findet und dessen Vertreter, die Viertelmeister, er, euer Landesherr, besonders herzlich grüßt und auch weiterhin in sein Gebet einschließen wird“, hieß Stadtvogt Hans Götz alle willkommen, als er ein Schreiben der Fürstbischofs verlas.

Aus Dankbarkeit überreichte er dem scheidenden Stadtoberhaupt Manfred Raum ein Buch aus dem Jahr 1746. „Möge er sich in seinem wohlverdienten Ruhestand den alten Karten und Beschreibungen des Hochstiftes Bamberg widmen und sich angeregt fühlen, die eine oder andere ihm unbekannte Landschaft zu bereisen.“ Dem Stadtoberhaupt wurde auch ein neues Amt angetragen: „Damit wir seinem Verdienste um die historische Sache in Kronach und somit im Hochstifte Bamberg gerecht werden, soll ihm die ehrenvolle Aufgabe angedient sein, als ständiger Vertreter des Bischofs das Amt des Amtmannes auf der Festung Rosenberg in Zukunft zu bekleiden. Dies lasse ich ihm, dem Oberbürgermeister, im Widerstreit zu meinem Domkapitel antragen, der in seinem Widerspruch bei meinem Kandidaten eine adelige Herkunft genauso vermisst wie den rechten Glauben.“ Diesem Widerspruch will aber der Fürstbischof keine Beachtung schenken.{mospagebreak}

Als Apanage bekam Oberbürgermeister Raum das Recht, eine nach seiner Elle bemessene Kronacher Bratwurst selbst zu braten und feil zu bieten. Seilermeister Jakob Bogner maß die bürgermeisterliche Elle in Schnurlänge, Schmiedemeister Walter Söhnlein übertrug dieses in Eisen und Metzgermeister Eberhard Kraus lieferte am gleichen Abend die Bratwurst. Alle anderen Metzger können künftig dieses Bratwurstmaß am Stadtturm abmessen.

Oberbürgermeister Manfred Raum entbot seinen untertänigsten Dank für die Geschenke, die ihm als in den Ruhestand eilenden Oberbürgermeister überreicht wurden. Dank der Schrift wisse er nun, wohin er keinesfalls gehen dürfe: nicht in das Coburger Land und nicht in untere ungläubige Regionen. Erfreulich sei, dass es sich nun den spärlichen Ruhestand durch Gewerbeeinnahmen aufbessern könne. Natürlich habe er eine lange Elle einschmuggeln können, damit die Kronacher wohlgenährt werden.

Viertelmeistertag 2008

Kastner Markus Steller berichtete über die Kassenlage. 191 Kundigundenmaß wurden mittlerweile verkauft. Heuer wolle er 500 Kunigundenmaß in alle Welt verkaufen. Gerne könne man bei ihm Ablassbriefe erstehen. Er kündigte an, dass heuer auf die Liebessteuer verzichtet werde, damit die Geburtenzahlen wieder steigen.

Schließlich berichteten die Viertelmeister. Wo viel Licht ist stehe auch Schatten, meinte Horst Rubel vom I. Viertel. Ein schönes Stadtcafe, das sich jährlich erweitere, sei ein Zugewinn für die ganze historische Stadt. Eines der besten Hotels der Stadt belebe zunehmend das Stadtviertel. Zwei Schwestern als Sternchen betrieben ein herrliches Geschäft mit Souvenirs und Andenken. Die Schattenseite: Zwei Geschäfte schlossen und der Wohnungsleerstand nehme zu, bedauerte er.

Viertelmeistertag 2008

Damit das II. Viertel das schönste der Stadt mit dem „schönsten Viertelmeister“ sei trage sogar der 1. Viertelmeister bei, freute sich Stefan Wicklein. Schließlich sei ein Gebäude von Horst Rubel erst mit der Denkmalrose ausgezeichnet worden und ein weiteres sei auf dem besten Weg dazu. Das zweite Viertel sei bekannt für seine Beständigkeit, hier schließen keine Geschäfte. Wicklein erinnerte, dass im ersten Viertel Kutschen mit Möbeln fast das Bamberger Tor niederrissen. Es war ein Möbelwagen eines schwedischen Möbelhauses – als ob die Schweden 300 Jahre später doch noch Kronach einnehmen wollten.

Zwei Geschäfte machten leider zu, doch werde auf dem Melchior-Otto-Haus ein Haus renoviert, freute er sich Dietmar Pohl vom IV. Viertel. Herzlich war der Dank aller an Walter Schinzel-Lang, der nicht mehr als Viertelmeister zur Verfügung stand, aber als Obristhauptmann weiter bei den „Historischen“ mitwirke. Auch Dietmar Pohl kandidierte nicht mehr.

Horst Rubel (1. Viertel) und Stefan Wicklein (2. Viertel) wurden einhellig wiedergewählt. Das 3. Viertel wird künftig Jens Schick als Viertelmeister vertreten. Für das 4. Viertel wird noch ein Viertelmeister gesucht. Einstweilig wird Kastner Markus Steller dieses Amt mit verwalten. Am ersten Abend des Historischen Stadtspektakels wird der künftige Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein als neuer „Oberbürgermeister“ inthronisiert. Die Gruppe „Cantabene“ aus Stadtsteinach und die Kronacher Tanzleut gestalteten den Abend mit, der noch sehr „schmäußig“ wurde. Weitere Bilder zum Viertelmeistertreffen 2008 können Sie in der Fotogalerie einsehen: Hier klicken!

Viertelmeistertag 2008

Bericht & Fotos: Rainer Glissnik, Neue Presse