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Von „Amiwiesen“ zu „Odysseus!“ – Kerstin Specht in Kronach

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Vor fast 20 Jahren, am 23. März 1992, hatte der Verein 1000 Jahre Kronach Kerstin Specht in Kronach zu Gast. Sie las damals im vollbesetzten Historischen Rathaussaal aus ihrem Werk „Amiwiesen“ und begeisterte alle Zuhörer. Jetzt kommt die aus dem Landkreis stammende erfolgreiche Autorin auf Einladung des Vereins wieder zu einer Lesung nach Kronach. Am selben Ort wird sie, am Freitag, 21. Oktober um 19.30 Uhr aus ihrem neuen Werk „Odysseus!“ lesen.

In diesen zwanzig Jahren ist Kerstin Specht zu einer der „wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Dramatik in Deutschland“ avanciert. So wurde erst im Frühjahr dieses Jahres die Autorin bei der Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises in München gewürdigt. War damals hier in Kronach auch noch „Das glühend Männla“ durch eine Aufführung der Freien Werkbühne Kronach im Gespräch, so haben die Werke von Kerstin Specht inzwischen längst große Bühnen erreicht.

Kerstin Specht in großen Häusern

Die „Amiwiesen“ wurden in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, das „Glühend Männla“ im Schauspiel Bonn, „Der Flieger“ beim Ulmer Theater, „Mond auf dem Rücken“ im Pfalztheater Kaiserslautern, „Carceri“ wider in den Münchner Kammerspielen, „Die Froschkönigin“ im Staatstheater Stuttgart, „Die Herzkönigin“ im Kleist-Theater Frankfurt und „Schneeköniginnen“ im Staatstheater Schwerin, um nur einige aus der langen Liste weiterer Theaterstücke zu nennen. Mit Marieluise Fleißer beschäftigte sich Kerstin Specht im Auftrag der Stadt Ingolstadt und erarbeitete ein Stück über deren Leben, mit dem Titel „Marieluise“, in Ingolstadt und München aufgeführt. Aus dieser Thematik ging 2007 auch eine Produktion des Sprechtheaters Zürich hervor, eine CD „Marieluise – Die Rückseite der Rechnungen“. Hörspiele von Kerstin Specht wurden u.a. vom Bayerischen Rundfunkt, dem Süddeutschen Rundfunk und vom Mitteldeutschen Rundfunk gesendet.

Bei den Ruhrfestspielen 2005 wurde ihr Stück „Die Zeit der Schildkröten“ uraufgeführt, „Der Zoo“ 2009 am Staatstheater Stuttgart.

Zahlreiche Preisverleihungen begleiten das Schaffen

Eine stattliche Liste von Preisverleihungen begleitet das Schaffen der in Stockheim/Kronach aufgewachsenen Autorin. 1988 erhielt sie ein Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin, 1989 den Preis der Frankfurter Autorenstiftung und des Hessischen Literaturbüros Frankfurt, 1990 den Staatlichen Förderpreis des Landes Bayern und den Literaturpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.. Es folgte 1991 ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds Darmstadt sowie der Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Künste. Den Landespreis für Volkstheaterstücke des Landes Baden-Württemberg erhielt Kerstin Specht 1993 und 2002, den Else-Lasker-Schüler-Preis des Landes Rheinland-Pfalz 1993, den Kulturpreis der Oberfränkischen Wirtschaft 1996, den Deutschen Kindertheaterpreis 2002 und den Marieluise-Fleißer-Preis im Jahr 2005. Lesung aus „Odysseus!“ Aus ihrem aktuellen Werk „Odysseus!“ wird Kerstin Specht am Freitag in Kronach lesen. Dieses beginnt, „wenn der Held nach Ithaka zurückgekehrt ist. Die Jahre der Abwesenheit sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen, ebensowenig wie an Penelope und ihrer Beziehung. So beschließt Odysseus wieder aufzubrechen, zu einer neuen Reise ins Ungewisse. Sein Weg führt zunächst zu Helena, seiner heimlichen Liebe von einst, doch es bleibt nicht die letzte Station. Kerstin Specht schreibt den Mythos aus heutiger Sicht fort: eine zweite Odyssee, in der es um das Sterben der Gefühle geht, um enttäuschte Hoffnungen und um das Es-noch-einmal-Wissen-Wollen“ (Verlag der Autoren).

Öffentliche Leseveranstaltung

Der Verein 1000 Jahre Kronach besteht heuer 20 Jahre. Die Lesung mit Kerstin Specht stelle einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsarbeit dar, erklärt Vorsitzender Manfred Raum. Besonders erfreut sei er dabei über die Kooperation mit der Goethe-Gesellschaft Kronach und dem Örtlichen Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing, ein Modell, das sich sicher für viele andere Veranstaltungen anbiete. Die Veranstaltung ist öffentlich, also nicht nur für Mitglieder der genannten Veranstaltungspartner. Es sind alle dazu herzlich eingeladen. – Kronach, 17.10.2011 Manfred Raum