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Einleitung der Zeuß-Grammatik in Deutsch präsentiert

Eine große Besucherzahl war in die ehemaligen Synagoge gekommen: die erstmalige Übersetzung der „Einleitung zur Grammatica Celtica“ von Johann Kaspar Zeuß wurde vorgestellt. Dabei erläuterte der Übersetzer Wolfram Zimek den Werdegang der Arbeit, die ihn über 13 Jahre – mit vielen Unterbrechungen – beschäftigt hat. „Das Hauptproblem bei einer solchen Übersetzung liegt vor allem darin, die oft sperrigen, weit ausladenden lateinischen Satzperioden in ein erträgliches, lesbares Deutsch zu bringen. Doch auch etwa die Identifizierung latinisierter Eigennamen, v.a. Ortsnamen, ist nicht immer einfach, ebenso wie die Aufschlüsselung abgekürzter, obendrein ebenfalls latinisierter bibliografischer Angaben“, erläuterte Zimek einen Teil der Hürden, die zu überwinden waren und eine gründliche Einarbeitung in die Materie erforderten.

Höchsten Respekt vor wissenschaftlicher Leistung

Die knapp 50 Druckseiten umfassende „Praefatio“ zum Hauptwerk des Sprachforschers lasse erkennen, welche unvorstellbare Leistung Zeuß mit seiner „Grammatica Celtica“ vollbracht habe. „Unweigerlich wächst bei der Beschäftigung mit Zeuß´ Text der Respekt vor diesem hoch gelehrten Mann ins Unermessliche – angesichts seiner gewaltigen Leistung, weitgehend autodidaktisch die an Komplexität kaum zu überbietenden altkeltischen Sprachen sich anzueignen, – angesichts der erdrückenden Fülle der von ihm verarbeiteten Literatur und – angesichts der Energie, mit der er seiner angegriffenen Gesundheit zum Trotz beschwerlichste und nicht einmal immer von Erfolg gekrönte Forschungsreisen auf sich zu nehmen bereit war“, erklärte Zimek.

Dessen Arbeit hat nun der Verein 1000 Jahre Kronach als Buch herausgebracht, das neben dem Text der „Einleitung“ in Deutsch und Latein Kartenmaterial zur Verbreitung der keltischen Sprachen und Stammbäume der indogermanischen Sprachen enthält. Zimek hat auch das Inhaltsverzeichnis der Grammatik übersetzt, was einen guten Überblick über die systematische Arbeit von Zeuß gibt. „Jahrhundertbuch“ Grammatica Celtica

In einem Geleitwort schreibt Professor Dr. Stefan Zimmer, Universität Bonn: „Es gibt Bücher, die die Welt verändern und die auch lange nach ihrem Erscheinen immer noch die Mühe wert bleiben, sie wieder einmal zu lesen… Johann Kaspar Zeuß, der bis dahin v.a. als Historiker hervorgetreten war, überraschte die gelehrte Welt 1853 mit seiner „Grammatica Celtica“, in der u.a. die Verwandtschaft aller keltischen Sprachen vom Altertum bis zur Moderne untereinander und mit den anderen indogermanischen Sprachen ausführlich bewiesen wurde. Diese Grammatik, die auch eine Sammlung der ältesten Texte der verschiedenen keltischen Sprachen enthielt, wurde von den Fachgenossen enthusiastisch aufgenommen…. Weit über die Keltologie hinaus wurde allen Kundigen deutlich, daß hier nicht nur ein Jahrhundertbuch vorlag, sondern ein Werk, das sowohl den sprachwissenschaftlichen Zusammenhang der keltischen Sprachen vom Altertum bis in die Gegenwart und ihr Verhältnis zu den übrigen indogermanischen Sprachen in bisher unbekannter Ausführlichkeit, Klarheit und Deutlichkeit vorführte, als auch das Verständnis für vorgeschichtliche Sprach- und Völkerbewegungen sowie v.a. die geschichtlichen Verhältnisse im frühen Europa entscheidend befördern würde.

“Europäischer Kaspar-Zeuß-Preis

Prof. Dr. Hans Hablitzel stellte in seinen Ausführungen die Leistung von Johann Kaspar Zeuß als Sprachforscher und Historiker dar, der diese Disziplinen miteinander verband. Keines seiner Werke, die zwischen 1837 und 1853 erschienen seien, sei bis heute überholt. Und so gebe es Bezüge bis in die Gegenwart, zum Beispiel den 2009 gestifteten „Europäischen Kaspar-Zeuß-Preis, der vor kurzem für eine Magisterarbeit vergeben wurde, die den Titel trägt: „Harry Potter auf Walisisch und Irisch – eine komparative und sprachstatistische Untersuchung“.

Große Freude über die Vollendung des Werkes: v.l. Georg Löffler, Vertreter der Sparkassenstiftung Kronach, Vorsitzender Manfred Raum, Prof. Dr. Hans Hablitzel und Professor Bernhard Forssman, der aus Erlangen angereist war. Foto Regine Bellazrak

Große Freude über die Vollendung des Werkes: v.l. Georg Löffler, Vertreter der Sparkassenstiftung Kronach, Vorsitzender Manfred Raum, Prof. Dr. Hans Hablitzel und Professor Bernhard Forssman, der aus Erlangen angereist war. Foto Regine Bellazrak

Den Dank des Vereins 1000 Jahre Kronach an Wolfram Zimek sprach Vorsitzender Manfred Raum aus. Durch die Übersetzung werde Zeuß als Begründer der Keltologie einem größeren Leserkreis zugänglich. Der Sparkassenstiftung Kronach dankte Raum für die finanzielle Förderung der Herausgabe des Übersetzungsbandes. Hocherfreut über das Erscheinen der Übersetzung zeigte sich auch Professor Bernhard Forssman aus Erlangen, der als Hochschullehrer seinem damaligen Studenten Wolfram Zimek die Übersetzungsarbeit ans Herz gelegt hatte. Dem Buch, das auch einige Beispiele aus dem Codex Paulinus der Würzburger Glossen enthält, die deutlich machen, vor welch schwieriger Arbeit Zeuß gestanden hatte, sei eine gute Aufnahme gewünscht, es ist im Buchhandel erhältlich oder direkt beim Verein 1000 Jahre Kronach e.V. im online-shop zu bestellen (oder per Email ), der Preis beträgt Euro 12,50.

Kronach, 23.7.2011 mr