
FT-Frage: Was motiviert Sie, die Keller-Führungen anzubieten? Stefan Wicklein: Auslöser war die Gründung der Bürgerstiftung „Historisches Kronach“. Um für die Stiftung Geld zu sammeln, wollten wir besondere Führungs-Angebote machen. Ich habe damals die Führung „Kronacher Unterwelt“ erarbeitet, die seitdem zu einem Publikumsmagnet geworden ist. So habe ich schon einige Tausend Euro für die Stiftung erwirtschaften können. FT-Frage:Wie viele Führungen haben Sie schon gemacht, wie viele Personen durch die Keller geführt? Ich schätze mal, dass es in den sieben Jahren circa 50 Führungen waren. Pro Führung können maximal 35 Personen teilnehmen – und ich hatte bisher keinen Termin, der nicht ausgebucht war. Also habe ich bisher etwa 1700 Personen geführt. Bemerkenswert ist für mich, dass manche schon ein paar mal mitgelaufen sind. Die nächsten Führungen finden am Samstag, 4. Dezember, um 12, 14 und 16 Uhr statt. Anmelden können Interessierte sich bei mir unter 09261/97-201. FT-Frage:Welche Keller eignen sich – und sind im Verlauf der Jahre weitere einbezogen worden? Wir haben über 100 Einzelkeller-Anlagen unter der Oberen Stadt, die sich größtenteils im Privatbesitz befinden. Viele sind nur direkt durch die Häuser oder sogar durch die Wohnungen erreichbar. Daher bin ich auf die Unterstützung der Hauseigentümer angewiesen, deren Keller sich für eine Begehung eignen. Hier gilt mein Dank ganz besonders Eike Mohr, Karlheinz Hühnlein, Manfred Blinzler, der Familie Steller und der katholischen Kirche mit Regionaldekan Thomas Teuchgräber und seinem leider verstorbenen Vorgänger Günter Hübner, die mich über all die Jahre unterstützt haben und ihre Keller immer wieder für diesen guten Zweck zur Verfügung stellen. Man könnte die Führung sicher noch erweitern, dann würde sie jedoch zu lange dauern. In der derzeitigen Form muss man sich schon circa 90 Minuten Zeit nehmen. FT-Frage:Unterscheiden sich die Keller voneinander? Die Keller sind in Material und Bauweise sehr ähnlich. Natürlich unterscheiden Sie sich in Größe und Tiefe. In vielen Kellern gibt es spezifische Besonderheiten, wie schön gestaltete Licht-Nischen, alte Brunnenschächte, alte Türbogen oder historische Inschriften.

Die Führungs-Teilnehmer erhalten einen Überblick über die unheimlich große Ausdehnung dieser Kelleranlagen unter der Oberen Stadt. Läuft man durch die Straßen, kann man sich das gar nicht vorstellen, ohne es selbst gesehen zu haben. Darüber hinaus gebe ich einen Überblick über die Bauweise und die Nutzung solcher Keller im Laufe der Jahrhunderte bis hin zur Luftschutzkeller-Nutzung im Zweiten Weltkrieg.
FT-Frage:Wie sind Sie zu dem nötigen Wissen gekommen, wie bereiten Sie sich vor?
1991 wurden die Keller erstmals systematisch durch die Universität Bamberg kartiert. Ich war damals noch Schüler und durfte mich im Auftrag der Stadt um den Kontakt mit den Hausbesitzern kümmern. So hatte ich die einmalige Gelegenheit, einmal mit den Wissenschaftlern alle Keller am Stück zu begehen. Das hat damals drei Wochen gedauert. Seit dieser Zeit hat mich das Thema nicht mehr losgelassen – und ich habe mir auf unterschiedlichstem Weg Informationen und Fachwissen über solche Kelleranlagen besorgt. Da schriftliche Überlieferungen zu den Kellern in Kronach nur wenige vorhanden sind, musste ich auch auf Erkenntnisse über vergleichbare Keller-Systeme in anderen Städten zurückgreifen.
FT-Frage:An welche Begebenheit während Ihrer Führungen erinnern Sie sich besonders?
Besonders bewegend waren viele Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die die Luftschutzkeller-Nutzung im Zweiten Weltkrieg selbst miterlebt haben und während der Führung von ihren persönlichen Empfindungen 1945 genau in diesem Keller berichten konnten. Viele dieser Zeitzeugen sind in den vergangenen sieben Jahren leider bereits gestorben.
Die Fragen stellte unser Redakteur Alexander Müller (Fränkischer Tag, FT)
Zur Person
Beruf Stefan Wicklein ist Diplom-Verwaltungswirt und leitet die Hauptverwaltung im Kronacher Rathaus.
Vereine Der 35-Jährige ist Kreisrat, Vorsitzender der Kronacher Feuerwehr, Viertelmeister der Oberen Stadt, ist Mitglied der Freien Wähler und Mitwirkender bei den Kronacher Büttenabenden.
Hobby Er hat auch zahlreiche historische Fotos von Kronach gesammelt und im September 2005 ein eigenes Buch mit Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1920 und 1950 veröffentlicht.
Quelle: Fränkischer Tag, Alexander Müller (Herzlichen Dank!)
