
Der Vortrag der Goethe-Gesellschaft soll Anlass sein auf einen Artikel von Klaus Dorsch einzugehen, der unter dem Titel „Erste Notizen über die Wandmalerei von Friesen“ in der Zeitschrift Kunstspiele 1979 erschienen ist.
Eingangs des Artikels befasst sich der Autor auch unter architektonischen Gesichtspunkten mit der 1971/72 neu gestalteten Pfarrkirche Friesen. Er schreibt: „Wählt man für seinen Besuch einen Wochentag, an dem die Kirche fast immer menschenleer ist; wird man sogleich von der Atmosphäre stiller Geborgenheit und Zeitlosigkeit erfasst, wie sie bei zeitgenössischen Kirchen nur selten zu finden ist.“ Dem ortsansässigem Architekten Josef Wicklein wurde schon damals großes Lob zuteil, das der Autor wie folgt zum Ausdruck bringt: „Wie ein farbiges Juwel in einer schlichten Fassung ist der mittelalterliche Chorraum in die moderne Konzeption eingegliedert, und man möchte meinen, dass hier in Friesen eine geradezu vollkommene Synthese zwischen Altem und Neuem gelungen ist.“
Der kunst- und kulturgeschichtliche Stellenwert der Friesener Fresken ist unbestritten. Die Arbeiten wurden vom Landesamt für Denkmalpflege als „die bedeutendsten und umfangreichsten Freilegungen mittelalterlicher Malerei in Oberfranken seit Kriegsende“ bezeichnet.
Die Innenwände des alten Chorturmes zeigen einen Zyklus von 18 Bildfeldern, die die Drachenkampflegende und das Martyrium des Kirchenpatrons Georg darstellen. Leider haben die Fresken durch die Instandsetzungsarbeiten in den 70er Jahren und durch die Vergrößerung des Nordfensters bzw. dem Einbrechen eines Südfensters in vorangegangener Zeit erheblichen Schaden genommen, so dass durch die Fehlstellen oftmals Rückschlüsse auf den Inhalt der Szenen erschwert sind. Mit diesen Schwierigkeiten hatten sich auch die Referenten auseinanderzusetzen.
Interessant ist natürlich die Frage der Urheberschaft. War nun Lucas Cranach d. Ä. an den Wandmalereien in Friesen beteiligt?. Der Autor des Artikels Klaus Dorsch datiert die Kalkseccomalereien um das Jahr 1480. Daraus schließt er, dass eher der Vater von Lucas Cranach, der damals in Kronach ansässige Hans Maler, als verantwortlicher Künstler in Frage käme. Seinem bei ihm in Ausbildung stehenden Sohn Lucas selbst, ordnet er lediglich kleinere Ausmalungen, wie Gestaltung der Gesimskonsolen zu. Ansonsten erscheint ihm .“…das Ansinnen von Friesener Lokalpatrioten, die Autorenschaft der Malereien Lucas Cranach d. Ä. als Jugendwerk zuschreiben zu wollen, unhaltbar.“
Hans Götz, 08.08.2010
Anmerkung des Verfassers: Eine von Stadtvogt Hans Götz vor zwei Jahren angeregte Initiative, die Friesener Wandmalereien der Öffentlichkeit durch eine entsprechende Werbeaktion stärker bekannt zu machen, wurde leider von einem örtlichen „Kirchenfürsten“ alternativlos verhindert.
