
Werke der Hennebonter Künstlerin Judith Farro in der Kronacher Synagoge
„Wir hatten uns gleich gut verstanden, obwohl wir nichts verstanden haben“, so beschrieb der Kronacher Künstler Heinrich Schreiber humorvoll seine Zusammentreffen mit der Hennebonterin Judith Farro. Heute gelten die Sprachbarrieren, die vor zwei Jahrzehnten noch als ein Hindernis für die städtepartnerschaftlichen Austauschbeziehungen angesehen worden waren, schon lange als überwunden und so hat auch ein kultureller Austausch die Städtepartnerschaft Kronach-Hennebont belebt. Die jetzt gerade zum 20jährigen Jubiläum in der ehemaligen Synagoge eröffnete Ausstellung gibt einen guten Einblick in das Werk der Künstlerin und ihre Weiterentwicklung.
Judith Farro hat bereits 1990 in Kronach ausgestellt und dann mehrmals noch, in Einzel- und Gruppenausstellungen, insbesondere hat sie sich an Ausschreibungen des Lucas-Cranach-Preises der Stadt Kronach beteiligt. Der Vorsitzende des Vereins 1000 Jahre Kronach, Manfred Raum, würdigte deshalb bei der Eröffnung der Ausstellung diese Nachhaltigkeit und Intensität der Städtepartnerschaftsarbeit, die auch den kulturellen Bereich umfasse und zu Gegenbesuchen von Künstlern aus Kronach geführt habe.

Zum Gruppenbild nach der Eröffnung fanden sich zusammen:v.l. Heinrich Schreiber, Judith Farro mit (dahinter) Georges, Odette Eisenträger-Sarter, Stadtrat Karl H. Fick, Gisela Zaich und Manfred Raum
Den Stellenwert der Städtepartnerschaftsprojekte unterstrich in seinem Grußwort, vertretend für die Stadt Kronach, Stadt-und Kreisrat Karl H. Fick, der betonte, dass zu einem zusammenwachsenden Europa nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Menschen und die Akzeptanz der Menschen füreinander gehörten. Er hoffe, dass die Partnerschaft auch im nächsten Jahrzehnt mit gleicher Intensität betrieben werde und sich in einem friedlichen Europa weiterentwickle. „Die Kunst brauche eben keine Worte“, erläuterte akademischer Bildhauer Heinrich Schreiber seine ersten Begegnungen mit Judith Farro und das Kennenlernen der beiden Künstlerfamilien vor und seit 20 Jahren. Die Bilder Judith Farros lassen zwei starke Elemente zusammenkommen, einmal das Abstrakte – eine Farbform sei da als ein Element, das uns gefangen nimmt, zu dem dann kleine „Melodien“ hinzukämen, die das ganze verbinden. Und das, was man am Menschen und in der Natur vorfindet, werde hinzugefügt, führte Schreiber aus. „Oder auch umgekehrt, sie fängt mit der Zeichnung an – und muss dann irgendwo einen Stein hinlegen, dass man stehenbleibt und nachdenklich wird. Viele kleine Dinge, wie ein kleiner Blumenstrauß – und dann eine Grünfläche, die total zerwühlt ist. Und selbst ein Portrait kriegt noch eine Farbe draufgepinselt, dass es kräftiger wird und aus dem Rahmen springt.“ Der Name „Judith“ sei Programm, meinte Heinrich Schreiber, diese biblische Gestalt sei eine starke Frau gewesen. Und mit dieser Kraft gehe auch Judith Farro an die Leinwand. Ob Themen aus der Literatur oder aus der Bibel – „sie saugt überall alles auf, was ihr Freude macht und bringt es zum Leben“. Die Künstlerin, die in der Türkei geboren ist, 20 Jahre in Israel lebte und nach Studien in Tel-Aviv und Paris nun seit 30 Jahren in Hennebont lebt und arbeitet, dankte den Organisatoren der Ausstellung. Sie sei mit ihrer Ausstellung „être et non-être“ gerne in Kronach und hoffe, dass ihre Bilder vielen Besuchern Freude machten. Die Ausstellungseröffnung wurde musikalisch umrahmt von Bernhard, Dominik und Sebastian Krügel mit Stücken von Karl Süßer. Die Ausstellung in der Kronacher Synagoge, Joh. Nik. Zitter-Str. 27 ist bis zum 4. Juli dienstags bis sonntags von 14 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die ausgestellten Bilder, ein Katalog und verschiedene Poster sind käuflich zu erwerben. Die Künstlerin spendet einen Teil des Verkaufserlöses an die „Bürgerstiftung Historisches Kronach“. Kronach, 10.6.10 mr

