Die Mitglieder des fränkischen Festungsnetzwerkes wollen Frankens steinerne Wahrzeichen gemeinsam touristisch vermarkten und kulturhistorisch auch innerhalb Europa nach vorne bringen. Hierfür wurden am Donnerstag die Kooperationsvereinbarung „Fränkische Festungsbaukunst“ und die Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit „Forte Cultura“ unterzeichnet.

Die Veste Coburg mit ihren bedeutenden Kunstschätzen aus mehreren Jahrhunderten, die Plassenburg in Kulmbach mit ihren verschiedenen Museen und unsere herrliche Festung Rosenberg mit ihrem vielseitigen Kultur- und Mitmachprogramm: Sie alle – und natürlich viele weitere Festungen und Kirchenburgen unserer schönen Heimat – zeugen wahrlich von „Frankens Festungsbaukunst“ und schenken uns „Magische Momente voller Kunst, Geschichte und Events“ – So der Titel des Werbeflyers, mit dem eine professionelle Vermarktung von fünf gemeinsamen Touren durch Frankens Festungsstädte auf den Weg gebracht werden soll.

Berühmte Architekten, große Schlachten und bedeutende historische Ereignisse: Die Festungsmonumente Frankens stellen ein wichtiges Kulturerbe in Zentraleuropa dar. Vor diesem Hintergrund haben sich mehrere Städte unter Federführung von Kronach zusammengetan, um ein fränkisches Festungsnetzwerk zu errichten und sich unter der gemeinsamen Marke „Fränkische Festungsbaukunst“ in den touristischen Märkten zu präsentieren. Darüber hinaus ist es Ziel des Netzwerkes, an „Forte Cultura“ teilzunehmen und zukünftig auch auf europäischer Ebene die gemeinsamen Reiseprogramme anzubieten und durchzuführen. Diese Zusammenarbeit, die im Rahmen des europäischen Fördervorhabens „Europäische Kulturroute Festungsmonumente Forte Cultura“ in den vergangenen zwei Jahren vorbereitet wurde, wurde nun feierlich dokumentiert. Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann, Coburgs 2. Bürgermeisterin Birgit Weber, Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel sowie Lichtenaus Kulturbeauftragter Gerhard Obenauf unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung „Fränkische Festungsbaukunst“ sowie die Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit Forte Cultura – zwei echte Meilensteine der Marketinginitiative!
Eine Abordnung der Fürstbischöflichen Bambergischen Schützen und Artillerie-Kompagnie zu Kronach sowie 2. Bürgermeisterin Hofmann hatten die Gäste auf der Festung willkommen geheißen. Laut Hofmann sei die Festung Rosenberg in der jüngeren Vergangenheit noch attraktiver gestaltet worden. So sei die Fränkische Galerie nach aufwändigen Renovierungsarbeiten neu eröffnet und mit neuen Exponaten bestückt worden. Die Festungsherberge wurde generalsaniert, auf einen modernen Standard gebracht und vergrößert. Events wie Crana Historica, die Rosenmesse und die Faust-Festspiele lockten alljährlich viele Besucher an. Ihr besonderer Dank galt Hartmut Röder von Eccofort Berlin, der die gemeinsame kulturtouristische Werbemaßnahme ins Leben gerufen hatte. „Die Reiserouten verbinden Festungsanlagen mit ganz unterschiedlichen Charakter“, so Hofmann, die sich sicher zeigte, dass von der Kooperation alle Beteiligten profitierten.
So sah es auch Kronachs ehemaliger Bürgermeister Manfred Raum, der an die Anfänge des Projekts erinnerte. Begonnen habe alles im März 2008, als ihn Hartmut Röder und Hans-Rudolf Neumann von Eccofort über die angedachten Initiativen für eine Ausdehnung des Forte Cultura-Projektes angesprochen hatten. „Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Projekt bei den fränkischen Nachbarn implementieren zu helfen, um Partner und Unterstützer zu generieren und um für die Festung Rosenberg selbst einen Entwicklungsschub zu erzielen“, so Raum. Festungsanlagen wirkten mit ihrer massiven, trutzigen Bausubstanz eher abweisend als besucheranziehend. Bei einer intensiven Auseinandersetzung mit den jeweiligen Gegebenheiten der Bausubstanz und ihrer Historie werde einem ihr enormes Entwicklungspotenzial bewusst – aber auch die gewaltigen Anforderungen der kostenintensiven Anlagen. „Gerade das muss aber doch Anlass sein, jede Möglichkeit zur Verbesserung des Kosten-Nutzenverhältnisses zu realisieren“, appellierte er.
Festung Rosenberg in Europas „erster Liga“
Von einem „besonderen Moment“ sprach Röder, der den aktuellen Sachstand präsentierte. Das gebliebene Kulturerbe – wichtige Zeitzeugnisse europäischer Historie und Architektur – müsse für künftige Generationen bewahrt werden. Alleine in Europa gebe es nach einer Analyse rund 5.000 Festungsmonumente vielfältigen Spektrums. Zunächst seien rund 25 Partner – davon etwa sieben in Deutschland – für die europäischen Festungstouren „Forte Cultura“ angedacht gewesen. Diese habe man auf zwölf Partner von Deutschland über Österreich, Italien, Polen, Tschechien, Slowenien bis Ungarn reduziert. Für Kronach habe man sich entschieden, weil hier ein Team und eine Strategie vorhanden seien. „Hier empfindet man die Festung nicht als Last, sondern man schaut nach vorne und investiert in sie. Deshalb stehen wir heute hier“, verdeutlichte der Manger des europäischen Netzwerks für Festungen. Anfangs habe man mehr in der Kategorie militärische Anlagen gedacht, dann aber die Definition um Schlösser, Burgen und Sakralbauten – und damit deutlich – erweitert. Kronach sei dabei eingebettet in ein touristisches – Europa durchziehendes – Programm. „Mit der Kooperation haben wir die Grundlagen gelegt – das ist der Anfang und die Chance. Jetzt sind ihre Initiativen gefragt. Es liegt an jedem selbst, die Partnerschaft auszugestalten“, ermutigte er.
Raus aus dem Schattendasein

Kerstin Löw, Betriebsleiterin des Kronacher Tourismus- und Veranstaltungsbetriebes, und Museologe Alexander Süß freuten sich über das entstehende Netzwerk. Bezüglich einer Zusammenarbeit habe man sich bereits in der Vergangenheit Gedanken gemacht. So gab es bereits eine gemeinsame Marketinginitiative mit Coburg und Kulmbach mit verbilligtem Eintritt, was jedoch wenig erfolgreich gewesen sei. Der konkrete Anlass habe einfach gefehlt. Diesen habe man nun mit dem Förderprojekt „Forte Cultura“, für das bis Ende 2014 1,6 Millionen Euro an EU-Fördermittel zur Verfügung stehen, erhalten. „Franken ist ein Festungsland. Das ist ein unheimlicher Schatz, den es zu heben gilt“, zeigte sich auch der Museologe sicher. Frankens Festungsmonumente seien das Ergebnis verschiedener kriegerischer Auseinandersetzungen – zuletzt auch des Deutsch-Deutschen Krieges, nach dessen Ende etwas Ruhe eingekehrt sei. Bedauerlicherweise seien danach nicht wenige von ihnen umgestaltet, nicht mehr gepflegt worden und stark verfallen. Der Erhalt der wunderbaren Delikte – ein wirkliches Feuerwerk an Architekturschätzen – sei eine edle Aufgabe. Laut Löw gehe es um das Schaffen von Synergieeffekten, für die man mit verschiedenen Stellen – so beispielsweise die Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung sowie die Burgenstraße – Kontakt aufgenommen habe. „Wir wollen keine Konkurrenzveranstaltung sein, sondern uns in guter Art und Weise ergänzen“, machte sie klar. Deswegen habe man auch den Tourismusverband Franken mit im Boot und die Fühler auch nach überregionalen Partnern ausgestreckt. Es gehe um Nachhaltigkeit. „Nach dem Förderende soll es weitergehen. Wir sind überzeugt, dass uns das mit der Anschubfinanzierung auch gelingt“, so Löw, die von einer Marktlücke mit erheblichen Potenzial sprach. hs
Touren „Frankens Festungsbaukunst“:
„Kunstgenuss und Lebenslust“ – Kulturfestungen in Oberfranken, „Bastionen und Kanonen unter dem Heiligen Kreuz“ – Festungen des Evangeliums, „Festungsfronten zwischen Reformation und Gegenreformation“ – Festungen des Römischen Klerus sowie „Schutzbauwerke des kleinen Mannes“ – Fränkische Kirchenburgen.
Weitere Infos: unter www.fortune-cultura.eu Text und Bilder von Heike Schülein, FT