Teuschnitz und der spanische Habit

Unser Autor des „Teuschnitzer Habits“, Udo Gellner, muss eine wesentliche Korrektur seines ersten Textes vornehmen, da er wichtige geschichtliche Daten zu erwähnen unterlassen hat. Er hofft, dass dieses fast unverzeihliche Versäumnis, ihm und seiner Familie von den Teuschnitzern nicht lange nachgetragen wird. Er glaubt, diesen Fauxpas nur aus der Welt schaffen zu können, wenn er die Arnika in seinem nächsten Kriminalroman eine Hauptrolle spielen lässt.

Udo Gellner,ein in der evangelischen Diaspora arbeitender Pressiger, sandte uns den nachfolgenden Artikel:

„Einst grämte es die Ratsherren von Teuschnitz auf den kargen Höhen des Nordwaldes doch sehr, als sie erfahren mussten, welche Ehre den Kronachern zu Teil wurde. Ihrer Meinung nach hatte das Amt Teuschnitz doch mindestens ebenso hart unter den durchziehenden Schweden und deren Verbündeten leiden müssen und sich derer auch ernstlich erwehrt als die Kriegsfurie am 7. Juni 1632 über die Stadt herfiel. Infolgedessen war ob der ausbleibenden Anerkennung durch die fürstbischöfliche Obrigkeit eine latent ansteigende Unruhe in der Bürgerschaft mit einhergehender Geringschätzung des Magistrats zu verspüren. Dazu muss man wissen, dass Teuschnitz damals noch nicht lange der katholischen Glaubenslehre gewogen war. Die Einwohner der Stadt hatten nämlich zum Ende des 16. Jahrhunderts den zweifelhaften Ruf eines fast schon militanten Protestantismus erworben, was dazu führte, dass Teuschnitz durch den Bamberger Fürstbischof Neidhardt von Thüngen (regierte 1591–1598) und dessen Nachfolger Johann Philipp von Gebsattel (regierte 1599–1609) schließlich vollständig rekatholisiert werden musste.

Die Teuschnitzer Ratsherren spähten also nach einer Genugtuung, um die in ihren Augen erlittene Schmach auszuwetzen, damit wieder Ruhe im gemeinen Stadtvolk einkehren möge. Man beschloss, eine Deputation gen Bamberg zu entsenden, welche dort in der Sache vorsprechen und dabei um die gleiche Gnade bitten möge. Der Bischof zeigte sich schließlich gütig und genehmigte die Ehrung, was sogleich freudig in den heimatlichen Gassen verkündet wurde. Eilig berieten sich die Stadträte, wie man geschwind an den notwendigen Samtstoff gelangen möge. Angesichts des teuren Anschaffungspreises verflog die Unternehmungslust des Gremiums jedoch sehr schnell. War doch der Stadtsäckel infolge der zurückliegenden Kriegsjahre und der damit einhergegangenen Plünderungen arg in Mitleidenschaft gezogen worden, wodurch sich luxuriöse Anschaffungen von selbst verbaten.

Wie also dem erneut drohenden Schimpf und Spott des eigenen Volkes entgehen?

Um das Ansehen zu wahren, einigte man sich in geheimer Sitzung darauf, gerade so viel des teuren Stoffes anzuschaffen, damit daraus zumindest einen Ärmel (!) angefertigt werden könne. Damit nun einem jeden Stadtvater die Ehre teilhaftig wurde ihn zu tragen, durfte sich bei jeder Ratsversammlung ein anderer den teuren Stoff überstreifen. Dergestalt gekleidet musste sich das Magistratsmitglied ans Fenster setzen und den Arm aufs Fensterbrett legen um den vor dem Rathaus flanierenden Bürgern vorzugaukeln, dass das gesamte hochlöbliche Gremium mit dem spanischen Habit ausgestattet worden sei. Die Bevölkerung war folglich wieder sehr stolz auf seine Stadtverwaltung…“

Quellen: • www.wikipedia.de: „Geschichte der Stadt Teuschnitz“ • Hans Stäudel: „Sagen um Haßlach, Kronach und Rodach“, 1949 Verlag Martin Stürzer, Kronach..

Quellen:

  • www.wikipedia.de: „Geschichte der Stadt Teuschnitz“
  • Hans Stäudel: „Sagen um Haßlach, Kronach und Rodach“, 1949 Verlag Martin Stürzer, Kronach.