Nordhalbener Friedensbrot und Bier für ausgehungerte Kronacher

Am Sonntag zur Mittagszeit zogen Nordhalbener Fuhrleute aus reußischen Landen in Kronach ein. Sie brachten der „ausgehungerten“ Bevölkerung Nordhalbener Friedensbrot und dunkles Bier.

Der 30-jährige Krieg: Kronach wird ein ums andere Mal belagert, die Pest wütet, die Bevölkerung leidet großen Hunger. Ein Handelszug aus dem reußischen Norden versorgt die Kronacher mit dringend benötigten Lebensmitteln. Auch am gestrigen Sonntag – 380 Jahre später – war die Freude groß, als die Nordhalbener Fuhrleute mit den Lebensmitteln an der Melchior-Otto-Säule in Kronach eintrafen.

Angeführt wurden die Historischen von Nordhalben, die von ihrer Schutzgruppe „Corvus Corone Frankonia“ und auch einem Pferdegespann begleitet wurden, von ihrem Schultheiß Norbert Neugebauer. Dieser erinnerte an die 1635 zwischen der Stadt Kronach und dem Fürsten Reuß geschlossenen Frieden von Nordhalben. „Seit dem frühen Morgen sind wir unterwegs auf gefährlicher Straße, damit ihr die Ladung im Empfang nehmen könnt“, so der Schultheiß und ergänzte augenzwinkernd „andere brauchen dafür zwei Tage“. Auch in Nordhalben sei die Not während des Krieges groß gewesen.

Von Kronach und seinem fürstbischöflichen Herren habe man keine Hilfe erhalten. Dennoch bringe man den Kronachern an dem Tag Nordhalbener Brot, um ihren Hunger zu stillen, wie auch Friedensbier aus reußischem Getreide zur Labung und Stärkung – beides schießfest verpackt. Entgegengenommen wurden die Gaben von Stadtvogt Hans Götz, der sie sogleich an Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein weiterreichte. Auch die anwesende Bevölkerung durfte das Brot kosten. Nach dem Zwischenstopp auf dem Melchior-Otto-Platz ging es für die Norhalbener weiter Richtung Rathaus.

Zuvor hatte in der Stadtpfarrkirche eine gesungene, historische Messe stattgefunden, in der auch Lieder aus der Barockzeit erklangen. Im Anschluss an den Gottesdienst wurden Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein vom Stadtvogt und den Viertelmeistern die Goldene Kette und der Spanische Habit verliehen. „Es ist im ganzen Land bekannt, mit welcher Tapferkeit die Kronacher im 30-jährigen blutigen Krieg den Feinden Widerstand geleistet haben“, würdigte der Stadtvogt. Trotz Feuerschießen und Stürme, äußerster Gewalt und unerhörten Tyrannei der Feinde, die sogar einige treue Kronacher Männer peinigten und lebendig schundeten, hätten sie ihren Treueschwur eingehalten und sich nicht von ihrer Bistumsreligion abbringen lassen. Vielmehr hätten sie mit Langmütigkeit ausgeharrt, bis der ermattete Feind seinen Mut und seine Kräfte verloren gehabt habe. Zum ewigen Gedächtnis an die tapfere Bevölkerung erhalte auch heuer wieder der Bürgermeister die Goldene Kette und den Spanischen Habit.

„Für mich ist das heute ein besonderer Tag“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein angesichts der Tapferkeit der Vorfahren. So wie Regionaldekan Thomas Teuchgräber in seiner Predigt appelliert habe, „Steht auf und helft einander“, so werde auch er sich in den nächsten Jahren weiterhin für das Ganze zum Wohle der Stadt einsetzen. Nur gemeinsam sei man stark.