Titelseite von „Festungen in Bayern“(Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz).

ZUKUNFTS-Perspektiven für die Kronacher Festung Rosenberg

Zur Diskussion gestellt von Manfred Raum , Vorsitzender des Vereins 1000 Jahre Kronach Zugleich eine Buchbesprechung

Titelseite von „Festungen in Bayern“(Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz).

Die Festung Rosenberg zählt zu den wichtigsten Festungsbauwerken in Bayern. Wer das noch bezweifeln wollte, der sehe sich das vor kurzem im Verlag Schnell + Steiner erschienene Buch „Festungen in Bayern“ an: Auf der Titelseite (siehe Bild) sticht eine Luftaufnahme der Festung Rosenberg (von Süden) ins Auge.

Die Festung Rosenberg gut erfaßt.

Schlägt man das Buch auf, so fällt der Blick (Seite 8) auf eine ganzseitige Aufnahme: das beeindruckende Luftbild der Festung von Norden mit der darunter vorgelagerten Stadt. Auch im Inneren finden sich noch einmal ganzseitige Aufnahmen und weitere Bilder des riesigen Bauwerks. Der Autor, Daniel Burger, hat die Festung Rosenberg in die Reihe der rund zwei Dutzend wichtigsten bayrischen Festungsstädte und Festungsbauwerke aufgenommen und ihre Besonderheiten gewürdigt. An der Festung Rosenberg ob Kronach schätzt er beispielsweise: „Wie Zwiebelschalen legten sich die Bauphasen umeinander … die Befestigungsringe des Spätmittelalters, der Renaissance und des Barock um den mittelalterlichen Kern mit dem hohen Bergfried des frühen 13. Jahrhunderts. Der Rosenberg bietet daher die hervorragende Chance, den Wechsel der Militärbaukunst vom Spätmittelalter bis in den Barock auf engstem Raum zu verfolgen“ (S. 150/151).

Und so wie die Festung Rosenberg bieten auch die anderen von Daniel Burger kompakt beschriebenen Festungsbauwerke, jedes für sich, Sehenswertes, und das will der Autor herausstellen. Denn sein Anliegen ist es, die charakteristischen Festungsmerkmale verständlich darzustellen, einerseits im historischen Zusammenhang der (verteidigungs-)politischen Ziele, denen die Anlagen dienten, zum andern aber auch mit Blick auf die heutige Nutzbarkeit für die Eigentümer, wobei er darauf abzielt, für Festungen ein größeres Tourismuspotential zu erschließen.

So ist das Buch gerade für den interessierten Laien konzipiert. Es ist der erste Band einer von der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung geplanten neuen Reihe, welche den Bestand an Festungen in den jeweiligen Bundesländern vorstellen wird. Dass die Kronacher Festung die Titelseite des ersten Bandes ziert, ist sicherlich eine besondere Auszeichnung und nicht zuletzt auch von besonderer Werbewirksamkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung hat übrigens auch die Wallmauertagung 2004 in Kronach und den darüber vom Verein 1000 Jahre Kronach herausgegebenen Tagungsband „Rätselhafte Wallmauern“ gefördert (ISSN 0941-1054).

Festungs-Info und Reiseführer.

In komprimierter Form bietet Burger einführend viel Wissenswertes über die Entwicklung des Festungswesens. Seine Ausführungen zu den Fragen „Was ist eine Festung?“ und „Woraus besteht eine Festung und wie sieht sie aus?“ geben – anschaulich bebildert – einen knappen, aber zum Einstieg ausreichenden Überblick über die weitgefächerte Festungs-Thematik. Ein gerade für Kronach interessantes Festungs-Kriterium stellt Burger heraus, wenn er ausführt, es komme „ als weiteres Kennzeichen einer Festung hinzu, dass sie zur Verteidigung eines Staatsgebildes dient“ (S. 9 ). In sein Buch wurden daher jene Festungsanlagen aufgenommen, deren Besitzer die Landesherrschaft über ein Territorium ausübten. Dies gilt bekanntermaßen für die Festung Rosenberg, weshalb für sie auch der Begriff „Landesfestung“ angebracht ist. Festungen heute: zwischen Tourismus und Denkmalpflege

In einem kurzen historischen Überblick über „Bayern und seine Festungen zwischen 1500 und 1918“ werden die vielfältigen, für die Festungs-entwicklung prägenden Herrschaftsbeziehungen in Franken und Bayern skizziert, wobei beispielsweise barocke Festungsbestandteile mit Bildervergleichen von Festungstoren aus Kronach, Forchheim und dem Würzburger Zellertor erläutert werden. Das Kapitel schließen Überlegungen zu „Die Festungen heute: zwischen Tourismus und Denkmalpflege“. Beides sind Aufgabenstellungen und Chancen für die Zukunft. Als touristische Ziele seien Festungen bis heute eher ein „Geheimtipp für Spezialisten; der Besucher wird auf sie eher zufällig aufmerksam – es dürften die Assoziationen zum mittelalterlichen Wehrbau, zu Burgen sein, die ihn anlocken…“ (S. 35). Für die Denkmalpflege bestehen wegen der großen Zahl von Festungsanlagen und befestigten Städten besondere Probleme; zahlreiche sind der Spitzhacke zum Opfer gefallen und moderner Stadtentwicklung gewichen. Hinzu kommen die hohen Kosten für denkmalgerechte Sanierungen.

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Festung Rosenberg beispielhaft

Die Denkmalpflege habe sich den Festungen zwar schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gewidmet, erläutert Burger, „aufgrund der gewaltigen Dimensionen konnte man jedoch an größere Sanierungen nicht denken. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trat hier eine Wende ein, so sicherte man etwa auf dem Rothenberg (Schnaittach, d.V.) und der Wülzburg (Weißenburg, d.V.) das einstürzende Mauerwerk mittels massiver Betonierungen, teils in Spritzbetontechnik mit Mauerwerksverkleidung (Wülzburg), teils als Schalbeton auf Sicht (Rothenberg). Diesen der Finanzlage geschuldeten groben Sanierungen stehen aber auch weitaus differenzierte Maßnahmen gegenüber: Die Mauern der Festung Rosenberg ob Kronach sind ein aktuelles Beispiel für Musteruntersuchungen und Maßnahmen in der modernen Denkmalpflege“ (S. 35). In die anschließende Abhandlung der einzelnen Festungsorte packt Burger sehr viel Sachwissen und versteht es, für alle 24 Festungsmusterbeispiele wichtige Informationen komprimiert darzulegen. So wird dem Leser auch vermittelt, dass die Festung Rosenberg als „Deutsches Festungsmuseum“ noch weiter zu entwickeln ist und dass „in den letzten Jahren dem Erhalt der Festung größere Aufmerksamkeit gewidmet“ wurde (S. 156). Burgers „Festungen in Bayern“ ist ein anregender Reiseführer, der dazu verhelfen wird, das Interesse von Städtereisenden auf Festungen zu fokussieren. Als erster Band der geplanten Reihe hat er für die folgenden bereits Maßstäbe gesetzt. Perspektiven für Kronach?

Dieses Büchlein gehört in die Bücherei eines jeden Kronacher Heimat- und Festungsfreundes und kann auch den für die Festung Rosenberg Verantwortlichen zur Lektüre nur empfohlen werden, sei es Stadtrat oder Verwaltung, birgt der Band doch Anregungen für die Diskussion der Zukunftsperspektiven „unserer“ Festung. Die Aufgabenstellung ist schon genannt: „Festungen heute – zwischen Tourismus und Denkmalpflege“ – wie können mehr Touristen für die Festungen interessiert und wie können die immensen Erhaltungs-Kosten der hochrangigen Denkmäler dauerhaft bewältigt werden? Es geht also zunächst um die bessere Vermarktung der Festungen schlechthin und im speziellen der Festung Rosenberg. Hier bietet sich dieKooperation mit starken Partnern an. Das Interesse an Festungen wächst; dem kommen Bestrebungen entgegen, touristische Festungsrouten zu entwickeln. Die „Baltische Festungsroute“ ist eine erste solche Tourismusstrasse (www.bfr.pl), die mit europäischer Förderung initiiert wurde. Auf diese Weise soll nun auch eine „Zentraleuropäische Festungsroute“ entstehen, in deren Verlauf die Kronacher Festung Rosenberg zusammen mit anderen Fränkischen Festungen einen Schwerpunkt bilden soll. Es muss alles daran gesetzt werden, dass es Kronach schafft in diesem Geleitzug dabei zu sein, denn von der Werbewirksamkeit dieser Route, die von der Berliner Zitadelle Spandau bis zum Venezianischen Befestigungswerk Forte Marghera weitere klangvolle Namen umfasst, kann Kronach nur profitieren.

„Fränkischer Festungsverbund“ in der Zentraleuropäischen Festungsroute

Die Verbindung zu den Initiatoren dieser Route wurde schon vor Jahresfrist hergestellt. Jetzt liegt es an den Stadtverantwortlichen, alles daran zu setzen, dass Kronach im angedachten“ fränkischen Festungsverbund“ die führende Rolle übernimmt und damit auch dem Anspruch „Deutsches Festungsmuseum“ für die Festung Rosenberg gerecht wird. Ein wichtiger Partner, der noch von den vorteilhaften Synergieeffekten der geplanten Zentraleuropäischen Festungsroute überzeugt werden muss, ist die Bayerische Schlösserverwaltung, die für weitere fränkische Festungsanlagen zuständig ist. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, so auch die Kulmbacher Plassenburg, die Schnaittacher Rothenberg und die Nürnberger und Würzburger Festungsanlagen, die alle der staatlichen Schlösserverwaltung unterstehen, einbeziehen zu können. Wenn die Festung Rosenberg einen Zuwachs an Besuchern erhalten soll, dann muss sie überregional viel stärker beworben werden. Das regionale Besucherpotential ist begrenzt und durch die bereits stattfindenden Veranstaltungen auch nahezu ausgeschöpft. Die Nutzung von Marketingstrategien in Kooperation mit starken Partnern ist daher das Gebot der Stunde. Durch die Europäische Förderung würde die Beteiligung an der Zentraleuropäischen Festungsroute auch finanziell verkraftbar sein.

„Deutsches Festungsmuseum“ ausbauen

Wie einmal mehr von Daniel Burger bestätigt, kann die Festung Rosenberg in ihrer Anlage die über Jahrhunderte währende Baugeschichte sehr anschaulich vor Augen führen. In ihrem guten Erhaltungszustand ist die Rosenberg daher im äußeren Erscheinungsbild ein Glanzpunkt für das „Deutsche Festungsmuseum“. Im Inneren fehlt es dagegen – gerade auch im Vergleich mit anderen Festungen – noch sehr an festungstypischen musealen Einrichtungen. Das heißt aber nichts anderes, dass mit viel Energie an solchen gearbeitet werden sollte. Die angedachte „Festungs-Bauhütte“ wäre sicher eine beachtliche Bereicherung. Zusammen mit den Ansätzen zu einem Steinmetz-Museum würde hier die Festungsbau-Handwerkskunst erlebnisorientiert die Besucher faszinieren.

Ein entscheidender Fortschritt für den Innenausbau des Deutschen Festungsmuseums Festung Rosenberg könnte aber vor allem entstehen durch die Zusammenarbeit mit dem Team von Professor Ulrich Großmann, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und Vorsitzender der „Wartburg-Gesellschaft, das die Einrichtung des „Deutschen Burgenmuseums“ auf der nahegelegenen Heldburg in Thüringen voran bringt. Mit diesen Fachleuten und auch mit Unterstützung des Hauses der Bayerischen Geschichte sollte es möglich sein, dem „Deutschen Festungsmuseum“ in Kronach einen hohen musealen Wert zu verschaffen, der Voraussetzung ist, um mehr Besucher anzulocken. So wie für das Heldburger Deutsche Burgenmuseum, für das Professor Großmann Sonderausstellungen in Berlin und Nürnberg organisiert, deren Inhalte dann auf die Heldburg verlagert werden, so sollten auch Sonderausstellungen zum Festungswesen konzipiert werden, die dann in Dauerausstellungen auf die Festung Rosenberg überführt werden. Die Kontakte dafür sind geknüpft, die Zeit für die Umsetzung ist gekommen. Allerdings muss auch hier der Wille der für die Festung Verantwortlichen vorhanden sein, diesen Weg zu gehen. Die Kooperation mit dem zukünftigen „Deutschen Burgenmuseum“ auf der Heldburg verspricht jedenfalls erhebliche Marketingvorteile. Und solche müssen von Kronach genutzt werden, denn die eigenen finanziellen Mittel sind ja begrenzt.

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Die Festung überfordert finanziell die Stadt

Mehr Touristen würden mehr Einnahmen für die Festung bedeuten. Das ist richtig, und mehr Besucher sind natürlich mehr als erwünscht. Doch die gewaltigen Kosten für Sanierung, Erhalt und Unterhalt der Festung werden selbst von sehr viel größeren Besucherzahlen nicht gedeckt werden können. Die Festung Rosenberg wird dauerhaft eine Belastung darstellen, welche die Leistungsfähigkeit der Stadt einfach übersteigt. Deshalb kann nur geraten werden, um eine Befreiung von dieser Sonderlast zu kämpfen. Und da die Festung nun mal über Jahrhunderte einen Status als „Landesfestung“ innehatte, kommt folgerichtig der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger der ehemaligen hochstiftlichen Eigentümer in Betracht, wenn es um haushaltsmäßige Entlastungen der Stadt von der „Sonderlast Festung Rosenberg“ geht. Warum sollte der Freistaat denn nicht auch über die Festung Rosenberg einen „Schutzschirm“ aufspannen und damit der Stadt ganz wesentlich Flankenschutz bei ihren Bemühungen um Haushaltskonsolidierung geben.

Erforderlich: ein finanzieller Schutzschirm!

Wie schon erwähnt, müsste dem Freistaat Bayern die eigentliche Eigentümerstellung bei der Festung Rosenberg zukommen. Die „Landesfestung“ würde in diesem Falle ja auch nicht aus Kronach fortgetragen, was wegkäme, wären nur die für die Stadt Kronach enormen Haushaltsbelastungen. Und weil diese bei weiter sinkender Einwohnerzahl immer drückender werden, sollte dieses Problem dem Freistaat Bayern unter seiner neuen Regierung nahegebracht und immer wieder um Hilfe nachgesucht werden. Die Kostenübernahme für die Festung Rosenberg, einem Denkmal von nationaler Bedeutung, ist eine freiwillige Leistung der Stadt Kronach, die einfach über ihre Leistungsfähigkeit geht. Entlastungen, auch schrittweise und in besonderen Formen denkbar, zum Beispiel durch Einrichtung einer vom Freistaat geförderten Stiftung, sind dringend geboten. Um der „Festung Rosenberg, Deutsches Festungsmuseum Kronach“ eine gesicherte Zukunft zu geben, ist ein solcher staatlicher Schutzschirm unerlässlich.

festungsplan

Hinweise Der Autor von „Festungen in Bayern“, Dr. Daniel Burger M.A., studierte Geschichte und Germanistik (Dissertation über die Landesfestungen der Hohenzollern). Er arbeitete am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und ist heute Archivar. Burger ist Vorstandsmitglied der „Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e.V.“. Er hat zahlreiche Publikationen mit Schwerpunkt Burgen und Festungen verfasst.

Zur Abbildung des Buchtitels:„Festungen in Bayern“, 208 Seiten, 115 Farb-, 5 s/w Abb., 10 Skizzen, 23 Pläne, 13 Grundrisse, 13×21 cm, Softcover, 1. Aufl. 2008, Verlag Schnell+Steiner, ISBN 978-3-7954-1844-1 Euro 16,90, enthält ein umfangreiches Literaturverzeichnis, Hinweise zur Besichtigung der beschriebenen Festungsanlagen und ein Glossar zur Erläuterung festungsspezifischer Ausdrücke.

Internetadressen:

www.wartburggesellschaft.de

www.deutschesburgenmuseum.de

www.festungsforschung.de

Manfred Raum

1. Vorsitzender des Vereins 1000-Jahre-Kronach e.V.

Festung Rosenberg als Planskizze