
„Heijdn, deijdn, sogn die Schweijden, wenn mer ner des Kronich heijden, unner Kronich kriejng sa nije,wir senn stark durch Kaiser-Bier!“ hieß es im Kampfruf, der vergangenen Freitag immer wieder in der Oberen Stadt ertönte. Der Viertelmeistertag ist alljährlich der Beginn der historischen Saison. Zunächst trafen sich alle am Fuße der Kronacher Ehrensäule auf dem Melchior-Otto-Platz. Mächtig hallten die Fanfaren des Nordhalbener Spielmannszuges durch die Obere Stadt. Mit 50 kaiserlichen Schritten maß Braumeister Thomas Kaiser die nun für alle Ewigkeiten geltende Strecke des Viertelmeisterlaufs aus, die nun genau von einem zum nächsten Kanaldeckel der Kronacher „Cloaca Maxima“ reicht hier in der Amtsgerichtsstraße, die „hoffentlich einmal Stadtvogt Hans-Götz-Straße heißen wird“. Vor dem Historischen Rathaus ließen es die Kronacher Ausschüsser mächtig krachen. In der „Markthalle“ musste niemand durstig bleiben, weil die Bräuweiber die Fässer mit dem heiß begehrten“ Schmäußbräu“ anzapften. Stadtvogt Hans Götz und Stefan Wicklein begrüßten die vielen Gäste, darunter auch die königlichen Musketiere aus Augsburg und Husaren aus Ungarn. Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein – in feinstem historischen Tuch gewandet – dankte allen Akteuren, die mithelfen Leben in die Stadt zu bringen. Leider musste in der Stadt so manche Steuer und Abgabe erhöht werden, doch blieben Bier- und Bratwurststeuer unangetastet. „Es ist eine Schande, es verletzt unseren Stolz zutiefst“, entsetzte sich Stadtvogt Hans Götz, dass sich an allen wichtigen Handelsstraßen der Cranach-Stadt Händler niederließen mit einem Angebot an Bratwürsten, die Ehre und guten Geschmack der heimischen Zünfte verletzten. Heute werde denen gehuldigt, denen die Kronacher früher die Abwässer über den Kopf schütteten. „Es ist Zeit, sich gegen diese schleichende Geschmacksverirrung zu wehren.“ Dem wurde nun die Kronacher Bratwurst nach dem Ellenmaß geschaffen. In der Vierersemmel fanden diese von Metzgermeister Eberhard Kraus geschaffenen „Kronacher“ reißenden Absatz. {mospagebreak title=2. Teil des Berichts}Er werde die Leere in der Kronacher Stadtkasse wohl durch eine Erhöhung der Steuern auf Bier und Liebe beenden, kündigte Kastner Markus Steller an. Viertelmeister Horst Rubel (1. Viertel, „Kürbiskerne“) freute sich, dass auf den für die Begrenzung des Viertelmeisterlaufs maßgeblichen Kanaldeckel eine künstlerische Plakette erhalten werden. Künftig werde es auch eine Vierlingssemmel geben – eine für jedes Viertel – bei denen sich die Viertelmeister den Belag aussuchen duften. Seine Kürbiskerne werden eine hervorragende Wirkung habe. „Ich fühle mich wohl in meiner schönen Stadt“, betonte Horst Rubel. Das zweite Viertel („Kümmel“) sei das kleinste und beständigste, betonte Viertelmeister Stefan Wicklein. Beim Stadtturm sei das Dach erneuert worden und die Uhr zeige wieder die Zeit an. Das dritte Viertel („Mohn“) leuchtete im vergangenen Jahr mehr als zuvor, freute sich Viertelmeister Jens Schick. Er wählte sich Mohn für seine Semmel. Der Mohn solle nun in diesem Viertel künftig gedeihen – und zu gegebener Zeit würden die Pflanzen versteckt. Vom 4. Viertel („Sesam“) als dem mit dem höchsten Bierumsatz berichtete Viertelmeister Markus Steller. Dieses werde auch zum Künstlerviertel. Alle sollten mithelfen, dass die Obere Stadt immer schöner wird. Walter Schinzel-Lang berichtete, dass die Kronacher Ausschüsser kürzlich in Hermannstadt (Rumänien) waren, dessen Bürgermeister für das Kronacher Stadtoberhaupt ein Stadtwappen mitschickte. Ende August werden die Kronacher in Hermannstadt an einem Mittelalterfest mitwirken. Schließlich bestellte Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein die Viertelmeister neu in ihrem Amt. Die Kroniche Tanzleut begeisterten noch mit mehreren Tänzen. Im Jahr 2011 soll es in Kronach beim „Historischen Stadtspektakel“ wieder einen „Schwedensturm“ geben. Hierzu beginnen bereits jetzt Vorbereitungen. Doch zunächst wird sich bei den „Historischen“ der Lucas-Cranach-Stadt alles auf das heuer vom 26. bis 28. Juni stattfindende Historische Stadtspektakel konzentrieren.rg Weitere Bilder unter www.np-kronach.de(Quelle: Rainer Glissnik, Neue Presse)


