Zum Start ins Cranach-Jahr: Sibylle von Cleve im Schaufenster

1000 Jahre Kronach zeigt Engagement

Das neue Jahr bringt für die Geburtsstadt von Lucas Cranach d. Ä. ein bedeutsames Datum, den 550. Geburtstag des großen Sohns der Stadt. Zu diesem Anlaß beteiligt sich der Verein 1000JahreKronach mit den Cranach-Welten an der Ausgestaltung eines Jubiläumsprogramms in der Stadt Kronach.

So werden in den Cranach-Welten-Schaufenstern in der Amtsgerichtsstrasse Werke von Cranach und deren Wirkung thematisiert. Das erste „Schaufenster-Objekt des Monats“ im Jubiläumsjahr bestehe aus einem großen Wolltuch mit dem Bildnis „Sibylle von Cleve als Braut“, erklärt 1000JahreKronach-Vorsitzender Manfred Raum. Dieses Bild sei eines der bekanntesten Gemälde von Lucas Cranach, es sei im Jahre 1526 von ihm gemalt worden. Es werde, so Raum weiter, in starker Vergrößerung auf einem von der Traditionsmanufaktur Hohenberger aus Hof gewebten Wolltuch gezeigt.

Prinzessin Sibylle von Jülich-Cleve-Berg (1512 – 1554) ist im Alter von 14 Jahren mit Brautkranz dargestellt. Cranach porträtierte sie im Zusammenhang mit ihrer Verlobung im September 1526 auf Schloß Burg in der Nähe von Düsseldorf, ein Jahr später folgte die Vermählung mit Johann Friedrich dem Großmütigen (1503 – 1554), dem späteren Kurfürsten von Sachsen. Im Mai 1527 war die künftige Kurfürstin mit zwanzig Wagen und in Begleitung von zweihundert Berittenen nach Torgau gereist, wo sie von Johann Friedrich mit zahlreichen Edelleuten und 2000 Reitern empfangen wurde.

Zu Cranachs Aufgaben als Hofmaler der sächsischen Kurfürsten zählte es, die Kurfürstenfamilie in allen Lebensstationen zu begleiten und darzustellen. Das Brautbild von 1526, zu dem es ein weiteres von großer Ähnlichkeit gibt, war der Anfang. Lebenslang hatte er mit seiner Werkstatt Sibylle immer wieder zu proträtieren. Nach der Hochzeit und dem Herrschaftsantritt des Kurfürsten wurden von der Cranachwerkstatt vor allem Doppelbildnisse von ihm und Sibylle hergestellt, um das Paar bekannt zu machen, später wurde sie selbst auf Jagdbildern mit abgebildet, eigentlich eine Männerdomäne.

Sibylle von Cleve wird auch als „Cranachs schönes Modell“ bezeichnet (Sylvia Weigelt). Cranach habe es vortrefflich verstanden, „das Wesen dieses jungen Menschen an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein im Bild festzuhalten. Mädchenhafte Verschlossenheit und der Liebreiz einer jungen Frau prägen gleichermaßen das etwas herbe, von weich fließenden goldblonden Haaren gerahmte Gesicht“, so Kunsthistoriker Ernst Ullmann. Das Wolltuch läßt diese einfühlsame Ausführung besonders gut erkennen, weil auf ihm das Original sehr stark vergrößert ist. Wie beim Betrachten Cranachscher Frauenporträts auffällt, sind zahlreiche Frauenbilder aus dem Hause Cranach dem Brautbild der Sibylle sehr ähnlich, so dass hier laut Eberhard Ruhmer wohl von einem der Idealtypen Cranachs gesprochen werden könne.

Das Bild Sibylle von Cleve als Braut ist in Weimar zuhause. In einem Projekt CRANACH 2022 wird ab 4. Juni im Renaissancesaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek eine neue Cranach-Ausstellung, benannt Cranachs Bilderfluten, zu sehen sein. 1000JahreKronach wird zu gegebener Zeit einen Tagesausflug nach Weimar und zu dieser Ausstellung organisieren.

1000 Jahre Kronach zeigt Engagement
Wolltuch aus der Hofer Traditionsmanufaktur Hohenberger mit dem Bildnis Sibylle als Braut als Cranach-Welten-Objekt des Monats in der Amtsgerichtsstrasse. 23.1.22 mr