Ein schmäußiges Bier für das Nordwald Spektakulum

Auch Gäste aus dem Nordwald nahmen am Donnerstag an der Schmäuß-Probe in der Brauerei Kaiserhof teil. Der edle Gerstensaft mundete ihnen so vorzüglich, dass sie ihn am Historischen Fest-Wochenende ihren Gästen vorsetzen werden.

Vom 18. bis 20.07 2014 findet das zweite Nordwald Spektakulum statt, bei dem die „Kronacher Ratsherren“ wie alle zwei Jahre nach Nordhalben ziehen. Heuer werden ihre durstigen Kehlen mit ehrwürdigem Schmäuß aus dem holden Cranaha verwöhnt – ein Beschluss, der nicht nur auf Wohlwollen stieß; wollten doch die Viertelmeister den wohlschmeckenden Trunk lieber für sich behalten. Doch alles der Reihe nach ….

Das Recht der Bierprüfung liegt seit dem 16. Jahrhundert bei den Viertelmeistern, die dieses hinsichtlich Geschmack und Würze ausgiebig testen dürfen. Heuer wurde diese große Ehre auch den Gästen aus dem nordöstlichsten Lehen auf dem Berg zuteil – und das aus gutem Grund. Schließlich wollten die Nordwälder herausfinden, ob das Schmäuß ihres am nächsten Wochenende stattfindenden Fests würdig sei.

Die „Bierprüfer“ kosten das ihnen vom Bräu Thomas Kaiser (stehend links) vorgesetzte Schmäuß.

Stadtvogt Hans Götz freute sich bei seinem Besuch im schönen Cranaha besonders über die Anwesenheit der Trebermessnerinen, Würzweibern und Malzdörrerinnen. „In Bamberg gibt es keine so schönen Mädchen“, zeigte er sich angetan von so viel Schönheit. Obwohl das Schmäuß in Konkurrenz zu vielen im Umfeld von Bamberg gebrauten Bieren stehe, nehme er immer wieder gerne den Weg zum Schmäußen auf sich. Das edle Getränk sei nämlich für ihn der Inbegriff von Sinnlichkeit und Liebe, wie man es eben nur im Schmäuß finde. Sicher zeigte er sich, dass nicht nur die Männer Nordhalbens ihre Freude an dem köstlichen Trunk hätten, sondern auch deren Ehefrauen. „Das Schmäuß wird ihre Männer in einen Zustand versetzen, der ihren Ehefrauen viel Freude bereiten wird“, meinte er geheimnisvoll.

Der anstehenden Entjungferung des ersten Bierfasses sah der Bräu recht skeptisch entgegen. So seien leider keine Ausschüsser zugegen, die ihm ihre schützenden Ritterhandschuhe zur Verfügung stellen könnten. Den am Sonntag anstehenden größten Triumpf nach der Erfindung des Schmäußbräus wolle er schließlich bei bestem Wohlergehen erleben. Seine Wahl für den Bieranstich fiel schließlich auf Lisa Joyce und siehe da: Es war eine vorzügliche Wahl. Die Sorgen um seine Gesundheit stellten sich als unbegründet heraus. Nur wenige beherzte Schläge mit dem Holzhammer genügten … und das Fass war entjungfert. Sogleich floss es zum ersten gemeinsamen „Wohlan“ in die Krüge – heuer allen voran auch in die der Nordwälder, die eigens hierfür in die „feuchten Niederungen“ gekommen waren.

Wenige Schläge mit dem Holzhammer … und Lisa Joyce (links) hatte das erste Fass edlen Schmäuß-Bräus entjungfert.

Norbert Neugebauer kündigte an, dass beim Historischen Fest-Wochenende zwei Gespannzüge aus Kronach und Bad Lobenstein zum Festgelände ziehen werden, um den historischen „Frieden von Nordhalben anno 1635“ erneut zu schließen. Hierfür habe man ein neues Theaterstück einstudiert, bei dem auch lokale Prominenz mitspiele. Man brauche ein -dem Anlass entsprechendes – würdiges Bier; hänge doch davon maßgeblich der Erfolg der Friedensmission ab. Er fragte deshalb den Braumeister, ob das Bier für Nordhalben mit all seinem Können gebraut oder am Ende gar mit der Galle der Weiber versetzt sei und damit die Gedärme der Biertrinker in Aufruhr versetze. Diese ungeheure Vermutung sorgte für reichlich Aufruhr unter den Anwesenden aus der historischen Kronacher Szene. Noch lauter wurde der Protest der empörten Masse, als Neugebauer dem Bräu als Mitbringsel eine große Flasche mit Gerstensaft aus Bad Lobenstein zum Vergleich übergab. Der Tumult löste sich erst auf, nachdem der Bräu die Bierhumpen von seinem lieblichen Brauhauspersonal noch einmal füllen ließ. Nach dem dritten „Wohlan“ waren die Nordwälder schließlich von der Qualität des luftigen Bieres überzeugt. „Wir in Nordhalben würden es gerne trinken“, baten sie um das Einverständnis der Viertelmeisters und des Stadtvogtes.

(von links) Bräu Thomas Kaiser und Lisa Joyce

Auch deren verwöhnte Gaumen waren sich einig: Der Gerstensaft ist schmäußig und von hervorragendem Geschmack. Der Stadtvogt meinte, dass der Bamberger Fürstbischoff wohl nichts gegen eine Verkostung in Nordhalben einzuwenden habe – Voraussetzung dafür sei natürlich, dass es dem Stadtvogt erlaubt sei, selbst das Bier zu kosten. Die Viertelmeister jedoch äußerten arge Bedenken. „Man könnte etwas Brunnenwasser dazu mischen, das würde für die Nordhalbener reichen“, schlug Jürgen Ditsche vor. „Warum sollte man das Bier nach Nordhalben verschwenden, wenn wir doch hier durstig sind?“, fragte Stefan Wicklein. Er prangte in diesem Zusammenhang die in Nordwald eingeführte Maut an und das Bier-Geschenk aus Bad Lobenstein – was für ein Frevel; eigne sich dieses doch höchstens dazu, um seine – beim Friedenszug von Blasen zerfressenen – Füße einzureiben. Auch Jens Schick wollte es im holden Cranaha belassen. Markus Steller dagegen meinte, dass er bereits selbst Bier-Entwicklungshilfe ins Oberland gebracht habe. Er habe nichts gegen einen Ausschank.

Bernd Radlo zeigte sich erbost über die überheblichen Worte der Viertelmeister, dass man im Norden die Qualität des Bieres nicht verdiene. Als Kronach anno dazumal am Boden gelegen habe, seien es die Nordhalbener gewesen, die vermittelt hätten. Voller Einsicht besänftigte Stefan Wicklein alle Gemüter: „Vertrouch me uns widde“, appellierte er und so geschah es dann auch. In trauter Gemeinsamkeit ließ man den „Kaiser“, der nun schon rund zwei Jahrzehnte die Tradition der Schmäußbräu-Verkostung aufrecht erhält, hochleben. Damit war klar: Heuer gibt es noch einen weiteren guten Grund, das historische Fest-Wochenende zu besuchen: holdes Bier – gebraut in Cranaha, ausgeschenkt im „hohen Norden“.

Autorin:Heike Schülein