
Endlich hat ein Trend auch Kronach erreicht. Lange schon strickten sich die Knitting Guerilla in den Großstädten an Straßenlampen, Skulpturen, Straßenbäumen und sogar einem Panzer die Finger wund. Seit 2005 gibt es das Stricken im öffentlichen Raum. Es begann in Houston Texas. 2010 kam es über Frankfurt nach Deutschland. Und nun hat diese außergewöhnliche Streetart auch Kronach erreicht.
Bisher begnügt man sich mit den Stelen des gusseisernen Geländes in der Schwedenstraße am Aufgang zur Oberen Stadt. Aber sicherlich wird Kronach bald flächendeckend bestrickt sein. Objekte, die einer Verkleidung bedürfen gibt es ja genug. Denken wir nur an die viele Pfähle, Ampeln und Masten die notwendigerweise aber in wenig ästhetischem Sinne unsere Straße und Plätze „zieren“. Danach kann man sich ja auch an größeren Objekten probieren: Für das Lucas-Cranach-Denkmal eine bunte Palette, für die Plessi-Säule eine farbige Hülle oder für die Dicke Berta im Landesgartenschaugelände eine wärmendes Kleidchen für den Winter?

Bleibt bei diesen Aussichten zu hoffen, dass sich der Strickismus-Virus in unserer Stadt noch heftig verbreitet. Dass die Wollaktionistinnen mit ihren Strickereien eine politische Botschaft zum Kommunalwahlkampf verbreiten wollen, ist nicht erkennbar. Außer man möchte Kronach bunter, auch im gesellschaftlichen Sinne, erscheinen lassen .Ein feministische Aussage hinter den Wollkunstwerken zu vermuten, wäre genauso gewagt. Denn keiner weiß, ob nicht auch maskuline Finger die Stricknadeln führen.
Für die Schwedenstraße ist die Aktion der Kronacher Strickguerillieros ein Gewinn. In den jahreszeitlich bedingten grauen Tagen nehmen diese Farbtupfer der Stadtmauer ihr abweisendes Wesen und bieten den Besuchern der Oberen Stadt einen kolorierten Empfang. Kronach wird bunter!
Hans Götz, 22.02.2014