Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?

The European Heritage Days oder Tage des offenen Denkmals finden 2013 ab dem 8. September statt. Auch Stadt und Landkreis beteiligen sich in Kooperation mit den Gemeinden an diesen Tagen. Das diesjährige Thema lautet „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“.

Plakat

Das Motto greift die zentralen Fragestellungen der Denkmalpflege auf, die am Tag des offenen Denkmals öffentlich diskutiert werden sollen: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt „bequeme“ Denkmale?“

Auch die Kommunen im Landkreis Kronach müssen sich immer wieder diesen Fragen stellen und sie auf dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte beantworten. Dass man sich im Vorfeld Rat bei den Fachleuten holt, scheint geboten, wird aber nicht immer beherzigt. Dies gilt ganz besonders für Denkmale, die als „unbequem“ gelten. In diese Kategorie fallen in der Regel Gebäude, die einer städtischen Entwicklung im Rahmen der „innovativen Erneuerung“ im Wege stehen. Aber auch Objekte, die aufgrund der politischen und sozialen Umstände ihrer Entstehung ein gewisses Unbehagen oder sehr negative Gefühle auslösen. Dazu zählen in unserer Region ganz besonders die Reste ehemaliger DDR-Grenzanlagen, aber auch die in Denkmal gegossenen Hinweise auf Arbeitslager der NS-Zeit, wie bei Knellendorf. In Friesen hat man vielleicht auch aus diesem Grunde vergessen, zumindest eine Erinnerungsmarke den Mitbürgern zu setzen, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert das Dorf mit geprägt haben: die Juden. An sie erinnert zwar noch als Straßenbezeichnung der Moschaweg, an der im Rahmen der Dorferneuerung neugeschaffenen Brunnenanlage im Bereich der Engstelle, wo einst Judenschule, Judenbad und Synagoge standen, fehlt leider jeglicher Hinweis. Ein Versäumnis oder bewusstes Unterlassen?

Festung Rosenberg
Friesen

Unbequemlichkeiten finanzieller Art ergeben sich für manche Kommunen aus dem Unterhalt ihrer Denkmäler. Kronach hat hier mit seiner Festung Rosenberg ein passendes Beispiel vorzuweisen. Lange Jahre war genau das Anlass für Auseinandersetzungen mit den zuständigen Stellen der Bayerischen Regierung. Zwischenzeitlich wird die finanzielle Last, zumindest von der Mehrheit der politischen Mandatsträger, akzeptiert.

Schule Wallenfels

Als weiteres Beispiel kann in diesem Zusammenhang auch die ehemalige Grund- und Hauptschule der Stadt Wallenfels genannt werden, die, in ihrer Betonblockbauweise mehr Sinnbild für einen Bildungstresor war, nun, saniert und denkmalgeschützt als Bildungszentrum für die Offenheit der Bildung für alle Bürger stehen soll. Der Tag des offenen Denkmals soll in diesem Jahr zeigen, warum ein Denkmal zwar „unbequem“, aber dennoch als wichtiges historisches Dokument für künftige Generationen unbedingt erhaltenswert ist. Leider findet man dazu viel zu wenig in den Programmen der Stadt und des Landkreises Kronach. Dennoch sollte man sich an dieser Diskussion nachhaltig beteiligen.

Informieren Sie sich: Programm der Stadt Kronach >>>

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Hans Götz, 30.08.2014