Ein wahrlich fürstbischöfliches Bier

Lange bevor die Honoratioren der Stadt sich zum Lobamt für Fürstbischof Melchior Otto in die Pfarrkirche von Kronach begaben, war Michael Kestel und Martin Logsch im Brauhaus der Oberen Stadt tätig, um auf ihre Weise dem ehemaligen Landesherrn der Kronacher zu huldigen. Sie taten dies mit einer Rezeptur deren Grundzutaten bereits in Zeiten des Hochstiftes Bamberg bekannt waren und die seit 1516 im Reinheitsgebot für Bier manifestiert sind. Und was der bayerische Herzog Wilhelm IV in seine Landesordnung schrieb: „Wir wöllen auch sonderlichen, das füran allenthalben in unsern Stette, Märckthen unn auf dem Lannde zu kainem Pier merer stückh dann allain Gersten, Hopfen unn wasser genommen unn gepraucht sölle werdn„, gilt natürlich auch für den Profi- und den Hobby-Brauer. Sie taten sich zusammen, um unter Aufsicht der ehrenwerten Viertelmeister der Stadt Kronach Jürgen Ditsche und Markus Steller und des Kastners Richard Chaluba ein spezielles Bier für den ehemaligen Fürstbischof von Bamberg Melchior Otto Voit von Salzburg einzubrauen.

Ein wahrlich fürstbischöfliches Bier

Dreierlei geschrotetes Malz in abgewogener Mischung vereinigten sich im Maischbottich mit dem mineralischem Kronacher Brunnenwasser und gaben dort unter hitzigem Zuspruch ihre wertvollen Inhaltsstoffe an dieses ab. Da dieser Vorgang und das Läutern der Maische doch eine erhebliche Zeit in Anspruch nahm, sorgten die Viertelmeister und der Kastner zwischenzeitlich dafür, dass das neue Bier auch genügend Platz in den Lagerfässern vorfand. Aber bevor sich die Bierwürze zur Ruhe legen durfte, wurde sie noch einmal kräftig erhitzt und mit feinem Hopfen veredelt. Diese Arbeit führten die Viertelmeister mit ruhiger Hand aus. Vergeblich warteten sie aber dann auf die Wierzweiber, deren Aufgabe es vor der Erfindung von Stahltanks und Stahlleitungen war, den Sud in die Keller der Bürgerhäuser zu tragen, damit er dort in aller Ruhe seinen Geschmack entwickeln konnte. Die Viertelmeister nahmen daher auch den hauseigenen Bierkeller in Beschau und überzeugten sich von dessen Eignung für eine ausreichende Reifung der Würze.

bierbischof

Nun wird es sich am kommenden Sonntag, dem Melchior-Otto-Tag, zeigen, ob den Brauern und Viertelmeistern, nebst Kastner, ihr Werk gelungen ist. Gar durstig werden sich die Ausschüsser, Bürgerwehren und das historische Volk nach dem Lobamt und der Danksagung an der Melchior-Otto-Säule in das Brauhaus begeben, um sich auch dort, diesmal mit einem kräftigen Schluck, für die erwiesenen Privilegien des Fürstbischof Melchior-Otto zu bedanken.

Hans Götz, 15.01.13