„Ewiger Jahrtag“ für Fürstbischof Melchior Otto

Wenn die Salven der Kronacher Ausschuss Compagnie am kommenden Sonntag auf dem Melchior-Otto-Platz zu hören sind, die Fürstbischöfliche Bambergische Schützen und Artillerie-Kompagnie zu Cronach angetreten ist , der Stadtvogt und die Viertelmeister, nebst Kastner, sich mit den Kronacher Ratsherren und der Geistlichkeit beider Konfessionen an der gleichnamigen Säule versammelt haben, dann wird an die Persönlichkeit erinnert, die als Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg einst der Landesherr der Kronacher war.

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Seiner wird alljährlich am Sonntag nach Sebastiani mit einem „ewigen Jahrtag“ gedacht, der mit einem Dank der Kronacher für die Wohltaten verbunden ist, die er ihnen für ihre Tapferkeit und Treue während des Dreißigjährigen Krieges hat zukommen lassen: eine goldene Bürgermeisterkette, einen spanischen Habit für die Ratsherren und ein neues Wappen für die Stadt. Und dieses Wappen, das seit 1654 die Spitze der Melchior-Otto-Säule ziert, spiegelt eben diese Tapferkeit der Kronacher durch die Schildhalter symbolisch wider, die als so genannte „geschundene Männer“ das Wappen halten. Aber genauso klagen sie, wie auch in der Schenkungsurkunde von 1651 beschrieben, die Grausamkeit des Krieges an. An die hervorragenden Tugenden der Kronacher Bürger zu jener Zeit erinnern auch die drei Kronen im „neuen“ Kronacher Stadtwappen: die Bürger-, die Mauer- und die Wallkrone. Der Lorbeerkranz im oberen Teil des Schildes, der die Bürgerkrone symbolisiert, wurde als Belohnung für die Rettung eines Mitbürgers aus Feindeshand verliehen. Die Mauerkrone, ein Zinnenkranz, wurde gegeben für die erfolgreiche Verteidigung einer Stadt. Die Wallkrone, ein Palisadenkranz, für die Erstürmung eines feindlichen Lagerwalles.

Leider ist der geschichtliche Hintergrund des Melchior-Otto-Tages in der Erinnerung vieler Bürger verblasst, die Bedeutung dieses Tages im Geschichtsbild der Stadt Kronach zu einem rudimentären Ereignis geschrumpft. Der frühe Gottesdienstbeginn (9.00 Uhr) wird sicherlich auch mit dazu beitragen, den an diesem Tage zu zeigenden Bürgerstolz mehr geruhsam als aktiv im Lobamt für Fürstbischof Melchior Otto zu begehen.

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Eine gewisse Aufwertung erhielt dieser Tag durch das Engagement der historischen Gruppen, die nun seit 2006 die Ratsmitglieder vom alten Rathaus in die Kronacher Stadtkirche geleiten, so, wie es Nikolaus Zitter in seiner Chronik von 1661 beschreibt. Ein kirchenpolitischer Akzent wird allerdings auch gesetzt. An diesem Tag treffen sich traditionell nach dem Gottesdienst die örtlichen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, um mit den Stadtoberen anstehende Probleme zu besprechen.

Die historischen Akteure begeben sich derweil in das Brauhaus der Oberen Stadt, um dort die Gabe der Ratsherren ohne große Diskussion zu genießen.

Programmablauf:

8.45 UhrAbmarsch vom Alten Rathaus
9.00 UhrLobamt und anschließend Salut auf dem Melchior-Otto-Platz

Hans Götz, 15.01.2012