Spätestens um 10.15 Uhr war die Obere Stadt am Melchior-Otto-Tag aufgewacht. Wenn nicht der Salut der Ausschüsser die letzten bürgerlichen „Schlafmützen“ weckte, dann war es der Kanonenschlag der Bürgerwehr zu Ehren des Fürstbischofen Melchior Otto Voit von Salzburg. Vorher hatten bereits schon Oberbürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Stadtvogt Hans Götz zu den „wachen“ und anwesenden Kronacher Bürgerinnen und Bürgern gesprochen.

Gedenktag zum Nachdenken
Beide brachten in ihrem Vortrag den Stolz der Kronacher auf diesen Gedenktag zum Ausdruck, erinnerten aber gleichzeitig daran, diesen Tag auch zum „nachdenken“ zu nutzen. Die geschundenen Männer, die das Stadtwappen halten, seien auch ein Symbol für die Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges. Diese Zeit „der Dunkelheit“ habe die Kronacher Bürgerschaft einer ständigen lebens- und glaubensbedrohlichen Bewährungsprobe ausgesetzt. Die Gewissheit, diese Zeit überstanden zu haben, sollte auch den heutigen Bürgern Stärke und Zuversicht für die Zukunft verleihen. Ganz egal, was „irgendwelche Zukunftsräte“ zu unserer Heimat äußerten. Damit setzte Stadtvogt Hans Götz den Gedanken fort, der zuvor von Pfarrer Thomas Teuchgräber in dessen Predigt aufgenommen worden war.
Anlass für diese Äußerungen war eine Meldung aus München, wo der so genannte Zukunftsrat der bayerischen Staatsregierung die Meldung lancierte, dass der ländliche Raum außerhalb der Ballungszentren keine förderwürdigen Regionen mehr darstellten. So bekam der Melchior-Otto-Tag eine politische Dimension, die von den Festrednern immer wieder betont wurde. Kronach so Stadtvogt und Oberbürgermeister übereinstimmend, hätten schon schlimmere Zeiten erlebt: „Bange machen lassen gilt nicht – darüber nachdenken schon und die richtigen Antworten darauf finden, ebenfalls.“

Ein Tag der Ökumene
Der Gedenktag ist aber hier in Kronach, vor allem ein Tag der Ökumene, an dem sich die Vertreter beider Konfessionen und der Stadtrat zum Gedankenaustausch treffen. Dies ist vor dem geschichtlichen Hintergrund des Melchior-Otto-Gedenktages auch eine Kronacher Besonderheit. Die Ratsherren, von denen als einziger Hans Simon der Ehre nachkam, einen spanischen Habit zu tragen, zogen sich nach dem Salut in das katholische Jugendheim zu Gesprächen zurück und überließen es Stadtrat Bernd Liebhardt, das Versprechen einzulösen, die historischen Gruppen mit „etlichen Eimern“ Bier zu versorgen. Ein Schlag des Fraktionsvorsitzenden der CSU genügte, um dem Bier den Weg in die Krüge zu öffnen.
Ein besonderer Dank gilt der neu gegründeten Schola der Stadtpfarrkirche, die mit gregorianischen Liedern die Messe eindrucksvoll umrahmten. Dafür ein aufrichtiges Vergelts Gott. Gedankt sei auch allen historischen Gruppen und gewandeten Bürgern, die sich an der Ausgestaltung des Melchior-Otto-Tages beteiligten.

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