
Die Festung Rosenberg galt als uneinnehmbar und war mehrfach die Rettung für das hochstiftliche Bamberg. Als Landesverteidigungsanlage somit bis in die bayerische Zeit attraktiv erhalten und heute als Denkmal von nationalem Rang hochklassig eingestuft, können die Kronacher stolz auf ihr Eigentum sein. Wenn auch in bayerischen Regierungskreisen bisher keine Verpflichtung gesehen wird, diese national bedeutsame Landesdenkmal in die eigene Obhut, sprich Eigentum, zu übernehmen, so liegt das – wie zu hoffen ist – nicht an der Ignoranz gegenüber fränkischen Anliegen – sondern möglicherweise an einem immer noch zu geringen Bekanntheitsgrad und dementsprechenden Aufklärungsbedarf. Der Verfall schreckt auf Die Stadt Kronach als Eigentümerin des riesigen Baudenkmals hat alles in ihren Kräften stehende getan um die Anlage so weit wie nur möglich mit Leben zu erfüllen und so weit wie möglich vor dem Verfall zu bewahren.
Die ständigen Ausgaben für die Festung Rosenberg übersteigen aber die Leistungsfähigkeit einer 18.000-Einwohner-Stadt bei weitem. Angesichts der städtischen Finanzschwäche sind weder der Ausbau oder neue Einrichtungen auf der Festung finanzierbar, noch kann dem notwendigen Bauunterhalt genüge getan und damit dem Verfall weiter Teile der Festung Einhalt geboten werden. Über diese Situation muß – genauso wie über die Qualität des Denkmals laufend und viel intensiver informiert werden. Bilder von einsturzgefährdeten Bauteilen haben vor einiger Zeit aufgeschreckt. Kürzlich erschien in der Süddeutschen Zeitung eine Darstellung der Denkmalpflegeprobleme bei der Festung Rosenberg und der Weißenburger Wülzburg. Das hat wohl bewirkt, dass das Bayerische Fernsehen in den letzten Tagen zu Aufnahmen auf die Festung Rosenberg kam und vor allem die Schad- und Schwachstellen des Baudenkmals aufnahm. Mehrere Stunden wurde das Aufnahmeteam durch sonst nicht begehbare, weil nicht sanierte oder sonst problematische Bereiche geführt. In einer der nächsten Ausgaben von „Capriccio“, dem bayerischen Kulturmagazin, soll das Thema ausgebreitet werden (Sendetermin wird noch bekannt gegeben!)
Noch mehr Information und Werbung nötig!
Obwohl in den vergangenen Jahren immer wieder Rundfunk- und Fernsehbeiträge von der Festung Rosenberg und über sie gesendet wurden, obwohl durch verschiedene Großveran-staltungen wie z.B. die Cranach-Ausstellung von 1994 oder die Faust-Festspiele die Festung Rosenberg immer wieder in die Diskussion gebracht wird und vermehrt Publikationen über die Festung, vor allem Dank der Arbeit des Vereins 1000 Jahre Kronach, erschienen sind, ist noch immer nicht genügende Wertschätzung für die in ihrer Denkmalaussagekraft einmalige Anlage in Bayern erreicht: Die Informations- und Überzeugungsarbeit muß daher weiter in-tensiviert fortgesetzt werden. Aus der Capriccio-Sendung sollten sich weitere Diskussionsansätze ergeben, insbesondere ist zu hoffen, dass doch so mancher Landespolitiker das Thema mitverfolgt und eventuell einen Besuch auf der Festung Rosenberg plant. Ein solcher steht übrigens noch von Innen-minister Günter Beckstein aus, der von der Stadt eingeladen wurde, bisher aber nur mitteilte, dass der Freistaat die Festung nicht erwerben dürfe! Publikationen und Tagungen
Andere Gäste werden bereits Anfang Mai in Kronach erwartet: Die Wartburg-Gesellschaft hält ihre Jahrestagung im Historischen Rathaus ab. Ihr Vorsitzender, der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Prof. G. Ulrich Großmann aus Nürnberg, hat die Festung Rosenberg in das Tagungsprogramm mit aufgenommen. Professor Großmann ist auch Mentor des Deutschen Burgenmuseums, das auf der Heldburg (Thüringen) entstehen soll. Deshalb wurde mit ihm die Zusammenarbeit hinsichtlich des Deutschen Festungsmuseums Kronach/Festung Rosenberg vereinbart. Für beide Einrichtungen können sich aus einer solchen Kooperation nur Vorteile und Synergien für die Werbung ergeben. Die Besonderheiten der Festung Rosenberg noch mehr herauszuarbeiten und ihre Probleme noch stärker ins Rampenlicht zu stellen, ist Voraussetzung für mehr öffentliche Aufmerksamkeit (bis in die Staatsregierung hinein), ebenso wie für mehr Besucher. An dieser Aufgabe ist in den zurückliegenden Jahren in vielfältiger Weise gearbeitet worden, nicht zuletzt auch mit Forschungsprojekten. So haben das Wallmauernprojekt, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, wie auch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Untersuchungen von Professor Philip S. C. Caston zu den Konstruktionsprinzipien der Wallmauern der Festung Rosenberg die wissenschaftliche Literatur wesentlich bereichert. In Kürze wird eine weitere Veröffentlichung mit dem Titel „Rätselhafte Wallmauern“ als Ergebnisband der Wallmauerntagung 2004 in Kronach vom Verein 1000 Jahre Kronach e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Festungsgesellschaft herausgegeben. Während die Festung Rosenberg – wie die Forschungen zeigen – noch viele Geheimnisse birgt, besteht andererseits die Gefahr, dass Teile der Anlage mit immer größeren Schadensbildern verlustig gehen, so z.B. deutlich an den Vorwerken absehbar. Die Anstrengungen zur Erhaltung und Reaktivierung des gewaltigen Kronacher Wahrzeichens müssten deshalb vervielfacht werden. Doch dafür reichen die Kräfte der Stadt nicht (weder finanziell noch personell)! Um also den Verfall aufzuhalten, den Ausbau für neue Nutzungen zu forcieren und das bisher eingesetzte Kapital überhaupt als einigermaßen rentierlich im Sinne des Denkmalschut-zes und von Umwegrentabilität ansehen zu können, müsste ergänzend ein sofort und nachhaltig wirkendes staatliches Hilfsprogramm die Stadt weitestgehend von der unerträglichen Last der Festung Rosenberg befreien. Ein Befreiungsschlag ist nötig. Von wem kann er erwartet werden ?
Plädoyer für ein umfassendes Hilfsprogramm für das Denkmal von nationalem Rang!
Ein Beitrag von Bürgermeister Manfred Raum, 1. Vorsitzender des Vereins 1000-Jahre-Kronach e.V.